EZB hält weiter an Strafzinsen für Banken fest

Die Lage für die Banken in der Europäischen Union wird auch in den nächsten Monaten nicht einfacher. Das geht aus der aktuellen Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank hervor.

Die Banken hatten darauf gehofft, von den Strafzinsen der EZB entlastet zu werden. Doch momentan ist genau das Gegenteil der Fall. EZB-Chef Mario Draghi hat den Strafzins noch einmal erhöht, der für den Fall gilt, dass die Banken Gelt bei der EZB parken. Statt bisher mit 0,4 Prozent werden sie ab sofort mit 0,5 Prozent Zinsen zur Kasse gebeten.

Warum hält die EZB an der bisherigen Zinspolitik fest?

Die Europäische Zentralbank stellt bei ihrer Zinspolitik vor allem auf den bei der Inflationsrate erreichten Wert ab. Als Zielwert gelten europaweit zwei Prozent Inflation pro Jahr. Von diesem Zielwert ist Europa 2019 meilenweit entfernt. Die aktuellen Schätzungen der EZB-Analysten belaufen sich gerade einmal auf 1,2 Prozent Inflation. Für Verbraucher in Deutschland ergibt sich subjektiv ein anderer Eindruck. Das gilt vor allem mit Blick auf die noch immer rasant steigenden Mieten und Kaufpreise für Immobilien. Dabei ist zu bedenken, dass dieses Phänomen in Europa nicht flächendeckend auftritt. Ob und wann sich die Inflationsrate ändert, hängt von vielen Faktoren ab. Dabei spielen Kostensteigerungen durch den Brexit und die Folgen der Handelskriege genauso eine Rolle wie die Reduzierung verschiedener Lebensmittelpreise infolge des Freihandelsabkommens mit den MERCOSUR-Staaten. Im Zusammenhang mit der aktuellen Zinsentscheidung betonte EZB-Chef Mario Draghi noch einmal, dass die Inflationsrate nach wie vor die wichtigste Voraussetzung für eine Änderung der Zinspolitik ist. Ob die erneute Auflegung von Ankaufprogrammen für Anleihen der richtige Weg ist? Diese Programme sollen ab November 2019 mit einem monatlichen Volumen von 20 Milliarden Euro wieder starten. Dazu hagelte es Kritik von den Vertretern mehrerer Parteien in Deutschland.

Was bedeutet der erhöhte Strafzins der EZB für die Verbraucher?

Einige Banken in Deutschland haben bereits Strafzinsen für hohe Guthaben auf den Konten ihrer Kunden eingeführt. Durch die Erhöhung des Strafzinses der EZB droht die Einführung von Strafzinsen bei weiteren Banken. Vernünftige Renditen für Tagesgeldkonten und Festgeldkonten sind auch in naher Zukunft durch die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank nicht zu erwarten. Staatsanleihen der Bundesregierung sind kein Ausweg, denn die letzte Ausgabe erfolgte zum Nullzins. Sie stellen aber zumindest eine Möglichkeit dar, keine Verluste durch Strafzinsen der Banken zu erleiden. Kredite für solvente Kunden bleiben weiterhin günstig. Das ist eine gute Nachricht für alle, die den hohen Mieten durch den Kauf einer Eigentumswohnung oder den Bau eines Eigenheims entfliehen wollen. Die Anlage in Gold ist mit Vorsicht zu betrachten, da der Goldpreis aktuell weit über dem langjährigen Durchschnitt liegt. Auch die Anzeichen für eine wirtschaftliche Rezession sind unübersehbar. Das hält viele Anleger vom Kauf von Aktien, Beteiligungen und anderen Wertpapieren ab. Von der Zinsentscheidung der EZB könnten die Anbieter von kapitalbildenden Versicherungen trotz der auch dort recht niedrigen Garantiezinsen profitieren.

Quelle: EZB