Niedrige Zinssätze und Minuszinsen belasten zahlreiche Geldanlagen

Die Niedrig- und Minuszinspolitik schlägt auf dem Finanzmarkt immer mehr auch auf die Geschäfte mit Privatkunden durch. Das zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage von FDP-Abgeordneten.

Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass die EZB ihre Minuszinspolitik schnell beenden könnte. Inzwischen machen Niedrigzinsen auf verschiedene Geldanlagen vor allem den privaten Sparern zu schaffen. Sie führen teilweise schon dazu, dass sich die bei Banken deponierten Vermögen reduzieren.

Guthabenzinsen auf Sparbriefe und Tagesgeldkonten sind nicht mehr lukrativ

Wer beispielsweise zum Zweck der privaten Altersvorsorge Vermögen in Sparbriefen anlegen möchte, bekommt im Schnitt bei den in Deutschland agierenden Banken (Stand August 2019) gerade einmal noch 0,12 Prozent Zinsen. Das gilt zumindest für die Sparbriefe, bei denen die Guthaben mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten aufgelöst werden können. Betroffen von den Folgen der EZB-Zinspolitik sind Guthaben von privaten Sparern aus dem Inland in Höhe von fast 564 Milliarden Euro. Davon machen Sparbriefe einen Anteil von knapp 52 Milliarden Euro aus. Vor allem der Anteil der bei Anbietern, die sich nicht zu den Banken zählen, ist drastisch gesunken. Er lag 2009 noch bei reichlich 114 Milliarden Euro und reduzierte sich bis 2019 auf knapp 35 Milliarden Euro. Noch katastrophaler ist die Entwicklung bei täglich verfügbaren Geldanlagen. Privatanleger erhielten im Sommer 2019 durchschnittlich nur 0,01 Prozent Guthabenzinsen. Unternehmen trifft es sogar noch härter, denn sie wurden mit Schnitt mit 0,03 Prozent Strafzinsen zur Kasse gebeten.

Niedrigzinsen belasten die Zinseinnahmen der Banken aus Krediten

Im Jahr 2013 beliefen sich die Zinseinnahmen der Sparkassen noch auf rund 34,79 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2018 sanken sie auf 24,2 Milliarden Euro. Den Volks- und Raiffeisenbanken geht es nicht anders. Sie verzeichneten 2013 Zinseinnahmen in Höhe von 23,64 Milliarden Euro und mussten sich 2018 mit rund 17,33 Milliarden Euro begnügen. Nicht ganz so stark fielen die Reduzierungen der Zinseinnahmen bei den Privatbanken aus. Einnahmen von 20,64 Milliarden Euro im Jahr 2013 stehen 19,9 Milliarden Euro im Jahr 2018 gegenüber. Das hat dazu geführt, dass viele Banken sich andere Erlösquellen gesucht haben. Sie erhöhen Ihre Zinserträge durch die vollständige Weitergabe der von der EZB von ihnen verlangten Minuszinsen an die Kunden. Dabei verwenden die Banken unterschiedliche Schwellenwerte, die zwischen 100.000 Euro und einer halben Million liegen. Seitens der Bundesregierung gibt es keine Überlegungen, gegen die Weitergabe der EZB-Minuszinsen an die Bankkunden vorzugehen.

Quelle: Deutscher Bundestag Drucksache 19/14453