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Umweltkatastrophe an der Oder: Wie ist der aktuelle Stand?

A dead fishes at the bottom of the pond

Die Suche nach der Ursache der Umweltkatastrophe an der Oder läuft auf Hochtouren. Noch lassen sich die kompletten Folgen nur vage einschätzen.

Inzwischen hat die polnische Regierung eine hohe Belohnung für Hinweise auf die Verursacher der Umweltkatastrophe an der Oder ausgesetzt, die seit einigen Tagen für ein massives Fischsterben sorgt. Als wahrscheinlichste Ursache gilt aktuell das illegale Verkippen von chemischen Abfallstoffen auf polnischem Gebiet in den Fluss. Ein Punkt steht jedoch fest. Nach Aussagen des Bundesumweltministeriums hat die Zusammenarbeit zwischen den polnischen und deutschen Behörden komplett versagt. Dazu gibt es bereits eine Reaktion der Regierung in Polen in Form von personellen Konsequenzen.

Welche Gefahren bestehen derzeit am Verlauf der Oder?

Die Schadstoffbelastungen im Wasser der Oder verursachen nicht nur ein massenhaftes Fischsterben. Auch sämtliche fischfressenden Tierarten sind bedroht. Zudem bestehen auch Gefahren für Menschen, die mit dem Flusswasser in Kontakt kommen. Das zeigt eine Allgemeinverfügung der Stadtverwaltung Frankfurt/Oder. Sie verbietet bis auf Widerruf das Angeln, Baden und Tauchen in der Oder. Auch das Schöpfen von Wasser (mit Ausnahme behördlicher Wasserproben), die Verwendung als Wasser zum Tränken von Tieren und zur Bewässerung ist verboten. Die Stadtverwaltung begründet die Allgemeinverfügung mit synthetischen chemischen Stoffen im Flusswasser, die eine toxische Wirkung haben. Die Stadtverwaltung Frankfurt/Oder verweist in der Begründung wörtlich darauf, dass allein der Kontakt mit dem Flusswasser „für Mensch und Tier gefährlich“ ist.

Ausmaß der Umweltkatastrophe an der Oder ist schwer abschätzbar

Das Fischsterben setzt sich im weiteren Verlauf der Oder fort. Der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern kritisierte in einem offiziellen Statement die Informationspolitik der Bundesregierung, die seiner Meinung nach die am Verlauf der Oder liegenden Bundesländer zu spät gewarnt hat. Er richtete einen Appell an die Einheimischen und Gäste in seinem Bundesland, sich freiwillig an die Beschränkungen zu halten, die in Frankfurt/Oder als Allgemeinverfügung verhängt wurden. Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern geht davon aus, dass die erste Welle der toxischen Schadstoffe sogar das Stettiner Haff bereits erreicht hat. Dort mischt es sich mit dem Wasser der Ostsee. Welche Auswirkungen der Schadstoffeintrag auf die beliebte Touristenregion hat, lässt sich derzeit noch nicht genau abschätzen. Erste Fischkadaver wurden an den Küsten am Stettiner Haff bereits angespült. Sie müssen unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen eingesammelt und als Sondermüll entsorgt werden.

Welche Schadstoffe sind in der Oder oder werden im Fluss vermutet?

In ersten Proben wurden chemische Lösungsmittel nachgewiesen. Auch erhöhte Quecksilberbelastungen wurden gefunden. Einen Eintrag von Quecksilber bestreitet die polnische Regierung vehement. Inzwischen werden gelöste chemische Salze als weitere Ursache der Umweltkatastrophe an der Oder angenommen. Darauf wiesen die Resultate der Laboruntersuchungen von Wasserproben am Ende der Kalenderwoche 32/2022 hin. Die Auswirkungen werden langfristig spürbar sein. Diese Tatsache betonte Annekathrin Hoppe, die als Bürgermeisterin von Schwedt tätig ist, in einem Interview mit dem RBB. Sie befürchtet vor allem langfristig negative Auswirkungen auf den Nationalpark Unteres Odertal. Das Problem wird aktuell dadurch verschärft, dass die Oder extremes Niedrigwasser führt, weil die Konzentrationen der Schadstoffe pro Liter Flusswasser dadurch wesentlich höher als bei normalen Pegelständen und Durchflussmengen ausfallen.

Quelle: Stadtverwaltung Frankfurt, Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern