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Private Pflegepolicen – wie gut sind sie wirklich?

In Deutschland waren bereits 2015 2,6 Millionen Menschen auf Pflege angewiesen. Seit Anfang diesen Jahres erhalten sie oft mehr Geld, da das neue Pflegestärkungsgesetz in Kraft getreten ist. Es hat die bisherigen drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt, bei denen neben den rein körperlichen Defiziten auch psychische Einschränkungen beachtet werden. Doch auch mit den Neuregelungen reichen die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung alleine nicht aus, um die Kosten im Falle einer Pflegebedürftigkeit abzudecken. Dann müssen entweder unterhaltspflichtige Kinder und andere Verwandte oder das Sozialamt einspringen. Alternativ dazu kann auch eine private Pflegeversicherung abgeschlossen werden. Die hat jedoch ihre Tücken, wie jetzt das „Öko-Test“ Magazin in einem aktuellen Test herausgefunden hat.

„Öko-Test“ untersucht 139 private Pflegeversicherungen

Insgesamt 139 Pflegetagegeld-Policen von 31 Anbietern hat die Zeitschrift „Öko-Test“ sich für die aktuelle Untersuchung genauer angesehen. In der Regel können die Versicherten selbst bestimmen, wie sie das Geld, welches sie im Leistungsfall erhalten, verwenden. Als Musterkunden kamen folgende Zusammenstellungen zum Einsatz: 35 Jahre alter Kunde und einjähriges Kind.

Zwar ist die Gefahr, in jungen Jahren pflegebedürftig zu werden, sehr gering, dennoch kann es sinnvoll sein, wenn Eltern eine private Pflegetagegeldversicherung schon frühzeitig abschließen. Einerseits entfällt oft die Gesundheitsprüfung, andererseits sind die Beiträge sehr gering. Mit rund elf Euro monatlichem Beitrag konnten hier die Tarife der DKV und der HUK-Coburg am meisten überzeugen.

Die meisten der untersuchten Tarife richten sich aber speziell an die ältere Zielgruppe, wobei das Eintrittsalter auch nicht zu hoch ausfallen darf. „Öko-Test“ hat einige Angebote sogar ganz aus dem Vergleich herausgenommen, weil die Eintrittsalter-Grenze von den Versicherern bei unter 65 Jahren gezogen wurde. Dabei hatte sich „Öko-Test“ als ein wichtiges Auswahlkriterium für die Aufnahme auch gerade älterer Menschen entschieden. Andere Tarife nahm man wieder aus dem Vergleich, weil sie keinen ausreichend hohen Tagessatz absichern wollten. Ein Tagessatz von 60 Euro sollte es nach Angaben von „Öko-Test“ aber schon sein.

Private Pflegeversicherung: Augen auf beim Vertragskauf

Insgesamt seien die Angebote allerdings eher „Flop als Top“ gewesen. Lediglich zwei der untersuchten Tarife für Erwachsene konnten den ersten Platz erreichen. Das waren die Württembergische und die DKV. Hier zahlte der Musterkunde 36 bzw. 29 Euro. Der günstigste Tarif im Test kam von der Signal und der Monatsbeitrag lag bei 17 Euro. Allerdings gibt es bei diesem Tarif in den Pflegegraden eins bis drei nur dann eine Leistung, wenn die Pflegebedürftigkeit aus einem Unfall heraus resultiert. Daher gab es auch nicht die Bestnote trotz günstigem Preis.

Teuer wird es, wenn die Pflegetagegeldversicherung erst im Rentenalter abgeschlossen wird. Die besten Angebote kamen auch hier von der DKV und beliefen sich auf 122 bis 168 Euro monatlich. Zwar gab es auch deutlich günstigere Tarife, die aber insgesamt im Test schlechter abschnitten. Um die Versicherung in Anspruch zu nehmen, müssen dabei teils jahrelange Wartezeiten erfüllt werden, oder schlimmer noch: Die Beiträge müssen auch dann weiter gezahlt werden, wenn der Versicherte bereits zum Pflegefall geworden ist.

Private Pflegeversicherung: Auf Altersrückstellungen achten

Besonders wichtig für Verbraucher ist es, beim Abschluss einer privaten Pflegeversicherung auf die Altersrückstellungen zu achten. Es gibt laut „Öko-Test“-Untersuchung einige Tarife, die heute besonders günstig ausfallen, weil sie eben auf die Altersrückstellungen verzichten. Die Kosten für diese Tarife werden in der Zukunft allerdings durch die Decke gehen. So gab es im Test Tarife, die einen heute 35-Jährigen für 3,60 Euro monatlich absichern. Mit 60 Jahren muss dieser jedoch in einen anderen Tarif wechseln, der ihn dann monatlich 139 Euro kostet. Und das nur nach heutigem Stand, es könnten sogar noch höhere Kosten auf den Musterkunden zukommen, weil dies stets davon abhängig ist, wie die Versicherung mit den Kundengeldern haushaltet.

In der Regel werden große Anteile der eingezahlten Prämien am Kapitalmarkt angelegt. Mit diesen sollen die Altersrückstellungen aufgebaut werden. Die Anbieter kalkulieren mit dem so genannten Rechnungszins, um verlässliche Angaben für die künftigen Kosten zu machen. Allerdings variiert der Rechnungszins und bei zu optimistischer Berechnung seitens der Versicherung, können die Beiträge in die Höhe schnellen. Gerade der Rechnungszins lässt sich für Verbraucher aber nur schwer vergleichen. Im Test gaben mehr als 40 Prozent der Anbieter diesen auch auf Nachfrage nicht an.

Lohnt sich Pflege-Bahr?

Auch mit den Policen nach Pflege-Bahr befasste sich „Öko-Test“ in der aktuellen Untersuchung. Das Magazin befürchtet bei diesen Tarifen regelrechte Beitragsexplosionen. Die staatlich geförderten Tarife sind schon jetzt sehr teuer, was auch daran liegen dürfte, dass die Versicherer auf die Gesundheitsprüfung verzichten müssen. Nach einer vorgeschriebenen Wartezeit von fünf Jahren können die Kunden in ungeförderte Tarife umsteigen, wenn sie gesund sind. Kranke Versicherte haben diese Chance nicht. Sie müssen sogar damit rechnen, dass ihre Beiträge in die Höhe schnellen, wenn die gesunden Versicherten abwandern.

Zudem gibt es in Pflege-Bahr-Tarifen nur wenig Geld. Selbst in Pflegegrad fünf waren nach „Öko-Test“ Angaben Tagegelder von maximal 20 bis 38 Euro drin. Daher rät das Magazin, möglichst in jungen Jahren einen regulären Tarif abzuschließen. Dieser ist bezahlbar und auch die Gesundheitsprüfung dürfte keine Probleme machen.

Quelle: ino