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Windenergie in Deutschland: Ausbau hängt dem Plan hinterher

Die Windenergie ist ein wichtiges Thema. Deutschland will den aktuellen Plänen zufolge im Jahr 2030 knapp zwei Drittel der benötigten Energie aus erneuerbaren Energiequellen beziehen.

Dieses Ziel ist nach den derzeitigen Einschätzungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) mit Blick auf den tatsächlichen Ausbau der Nutzung der Windenergie nicht zu halten. Die Zahl und die Leistung der 2019 neu installierten Windkraftanlagen brach im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren massiv ein.

Wie groß ist das Defizit bei der Windenergie in Deutschland?

In den ersten neun Monaten des Jahres 2019 wurden gerade einmal neu Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp über 500 Megawatt in Betrieb genommen. Um das von der Bundesregierung bei der Energiepolitik zu erreichen, müssten pro Jahr neue Anlagen zur Nutzung der Windenergie mit einer Gesamtleistung von mindestens 2,9 Megawatt ans Netz gehen. Das heißt, von Januar bis September 2019 wurde das Soll gerade einmal zu knapp einem Sechstel erfüllt. Die Branchenspezialisten und die Experten des BDEW gehen nicht davon aus, dass diese Neubaulücke in den verbleibenden drei Monaten geschlossen werden kann. Das belegt ein Blick auf die laufenden Bauanträge und Ausschreibungen. Inzwischen bezeichnen einige Experten und Politiker die Defizite beim Ausbau der Nutzung der Windenergie in Deutschland bereits wörtlich als „dramatisch“.

Welche Hemmnisse gibt es beim Ausbau der Windkraftanlagen?

Bei den Windkraftanlagen an Land (On-Shore-Windkraftanlagen) spielen vor allem die Mindestabstände zu Wohngebäuden eine wichtige Rolle. Dort soll nach den aktuellen Plänen der Bundesregierung künftig ein Mindestabstand von einem Kilometer gelten. Der BDEW sieht darin eine „drastische Einschränkung“ der nutzbaren Flächen und bezeichnete diese Regelung als „kontraproduktiv“. Im Jahr 2018 produzierten alle rund 29.200 in Deutschland installierten Windkraftanlagen (On Shore und Off Shore) insgesamt etwas mehr als 110 Terawattstunden Strom. Das machte gerade einmal rund 18 Prozent der gesamten deutschen Stromerzeugung aus. Der größte Lieferant von Strom aus Windkraft ist nach wie vor Niedersachsen.

BDEW benannte auch Probleme beim Photovoltaik-Ausbau

Die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung sind nicht nur durch die Defizite bei der verstärkten Nutzung der Windkraft gefährdet. Auch beim Ausbau der Photovoltaik-Nutzung gibt es zahlreiche Hemmnisse. Der BDEW fordert beispielsweise, die Möglichkeiten der Förderung von Solaranlagen auf sogenannten Konversionsflächen (umgenutzten Flächen) auszuweiten. Dabei soll die für die Förderfähigkeit aktuell geltende Grenze von 10 Megawatt Leistung mindestens verdoppelt werden. Außerdem fordert der BDEW eine Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten für Solaranlagen und die Freigabe weiterer Flächen in der 110-Meter-Zone entlang von Eisenbahngleisen und Autobahnen.

Quelle: BDEW, statista