Vom Menschen verursachte Erdbeben: Wie tragen Staudämme bei?

Es gibt eine ganze Reihe von Katastrophen, für welche der Mensch selbst verantwortlich ist. Dazu zählen nicht nur Kriege und Pannen in Atommeilern wie im Jahr 1986 in Tschernobyl. Der Mensch sorgt mit seinem Tun vielerorts auch dafür, dass das Risiko von Erdbeben und Flutkatastrophen steigt. Das betrifft vor allem das Umfeld von künstlichen Stauseen mit gigantischen Kapazitäten.

Im ersten Moment klingt es fast unmöglich, dass Erdbeben durch den Bau von Staumauern für Wasserkraftwerke verursacht werden können. Und doch ist es so. Das haben Forschungen jüngeren Datums bewiesen. Das heißt, dass auch die Erdbebengefahr bei der Nutzung der Wasserkraft berücksichtigt werden muss.

Durch den Assuam-Staudamm wurde ein schweres Beben initiiert

Es wurde beispielsweise festgestellt, dass der Bau des Assuam-Staudamms und die Flutung des dazugehörigen Stausees das Erdbeben mit der Stärke 5,2 im Großraum Kairo im Herbst 1992 ausgelöst haben. Die Ursache waren die durch den See und die Staumauer veränderten Druckverhältnisse im Boden. Bei voller Bestauung fasst der Assuam-Stausee 169 Kubikkilometer Wasser. Dann lastet ein zusätzliches Gewicht von 169 Millionen Tonnen auf dem Boden, was dazu führt, dass vorhandene Ansätze von Rissen vollständig aufgebrochen werden können. Hinzu kommt, dass die im Boden vorhandenen instabilen Bereiche durch die wechselnden Wasserstände zusätzlich belastet werden.

Sichuan-Erdbeben lag Bau der Zipingu-Talsperre zugrunde

Der Assuam-Staudamm ist nicht der einzige Beweis für diese Theorie. Auch das Erdbeben, welches die chinesische Provinz Sichuan im Jahr 2008 traf, dürfte die gleiche Ursache gehabt haben. In der Region wurden kurz zuvor mehrere Stauseen befüllt. Zu den größten Vertretern gehörte die Zipingu-Talsperre, deren Staumauer es auf eine Höhe von 156 Metern bringt. Der Stausee belastet den Boden darunter bei Vollstau mit einem Gewicht von mehr als 300 Millionen Tonnen. Kurz vor dem Erdbeben waren große Teile des Stauvolumens sehr schnell abgelassen worden. Zahlreiche Geologen gehen davon aus, dass die plötzliche Entlastung des Bodens zu den Erdbebenursachen gehört. Das Beben hatte eine Stärke von 7,9 auf der Richter-Skala, forderte rund 70.000 Todesopfer und machte fast sechs Millionen Menschen obdachlos.

Beim Hoover-Damm sind weitere Besonderheiten zu beachten

Der Hoover-Damm an der Grenze zwischen den amerikanischen Bundesstaaten Arizona und Nevada belastet den Boden bei Vollstau mit einem Gewicht von bis zu 35 Milliarden Tonnen. Die Auswirkungen zeigten sich bereits kurz nach der Fertigstellung des mit einem Wasserkraftwerk ausgestatteten Staudamms. Während der Erstbefüllung des Stausees wurden mehrere Hundert Erdbeben im Umfeld des Hoover-Damms registriert. Doch hier droht noch eine andere Gefahr. Die Staumauer ist satte 180 Meter hoch. Sollte sie bei einem Erdbeben brechen, würde die so verursachte Flutwelle nicht nur die in direkter Nachbarschaft gelegenen Städte Boulder City, Henderson und Vollow Beach erreichen, sondern sich entlang des Colorado River auf einer großen Fläche bis zur Mojave-Wüste verteilen. Außerdem befindet er sich in einem ohnehin erdbebengefährdeten Gebiet, denn ganz in der Nähe treffen die Kanten der California Plate und der California Plate aufeinander. Auch der San-Andreas-Graben ist nur etwa 250 Kilometer Luftlinie entfernt.

Quelle: USGS, NOAA, National Geographic