Trehalose verantwortlich für Durchfälle?

Der Zuckeraustauschstoff Trehalose galt bisher als sehr gesund. Jetzt wollen Forscher jedoch einen Zusammenhang zwischen der Zuckeralternative und der Ausbreitung eines gefährlichen Darmkeims gefunden haben, der zu heftigen Durchfällen führt.

Trehalose doch nicht so gesund?

Der Zuckerersatz Trehalose stand bisher in einem sehr guten Ruf, im Gegensatz zu anderen Substanzen, die als Zuckeralternative angepriesen wurden. Ein Beispiel für umstrittene Zuckeraustauschstoffe ist Aspartam. Bislang haben die Hersteller Trehalose jedoch als sehr gesund angepriesen. Schließlich komme die Substanz in der Natur, etwa in Pilzen, vor und besteht aus Traubenzucker. Im Gegensatz zum klassischen Haushaltszucker treibt Trehalose den Blutzuckerspiegel nicht so schnell in die Höhe und gleichzeitig besitzt die Substanz etwa die Hälfte der Süßkraft haushaltsüblichen Zuckers.

Jetzt haben sich Mikrobiologen jedoch genauer mit dem Zuckerersatz Trehalose beschäftigt und einen besorgniserregenden Verdacht geäußert: Die vermehrte Zugabe der Zuckeralternative zu Lebensmitteln könnte zu einer starken Ausbreitung besonders gefährlicher Darmkeime geführt haben. Dabei handelt es sich um sehr aggressive Stämme des Bakteriums Clostridium difficile. Es ist für 15 bis 20 Prozent aller Durchfallerkrankungen verantwortlich, die im Zusammenhang mit einer Antibiotika-Einnahme auftreten.

In dem Bericht der Forscher um Robert Britton vom Baylor College of Medicine in Houston, Texas heißt es, dass zwei Stämme des Bakteriums bereits extrem niedrige Mengen Trehalose für sich nutzen könnten. Selbst wenn andere Darmbakterien durch die Antibiotika-Gabe abgetötet werden, könnten diese Stämme die Betroffenen dann krank machen.

Zahl der Clostridium difficile Infektionen steigt

Bereits seit der Jahrtausendwende hat sich die Anzahl der Infektionen mit Clostridium difficilen Stämmen in US-amerikanischen und europäischen Kliniken deutlich vermehrt. Sie gelten als schwer behandelbar und enden teilweise sogar tödlich. Die Bakterien selbst sind in der Lage sich zu verkapseln und können auf diese Weise sogar Antibiotika-Behandlungen als resistente Dauerform überstehen. Die Ärzte sorgen sich vor allen Dingen um den Stamm RT027, der mittlerweile auch in Europa vorkommt.

Wie die Forscher rund um Britton herausfanden, kann der Stamm RT027 und ein weiterer Stamm den Zuckerersatz Trehalose durch eine Erbgutveränderung effektiv verwerten. Bereits geringe Mengen von Trehalose im Darm reichen dabei aus, um die Entwicklung dieser Stämme im Vergleich zu anderen Varianten zu fördern, so die Forscher.

Tatsache ist außerdem, dass die Zahl der schweren Infektionen mit Clostridium difficile angestiegen ist, seit Trehalose vermehrt in Lebensmitteln eingesetzt wird. Die Produktion eines Kilogramms dieses Stoffs kostete bis 2000 noch 700 US-Dollar. Anschließend wurde ein neuer Herstellungsprozess eingeführt, mit dem die Kosten auf nur noch drei US-Dollar pro Kilogramm sanken. Das machte Trehalose auch für die Lebensmittelindustrie attraktiv. Schon 2000 ließen die USA Trehalose als Lebensmittelzusatz zu, ein Jahr später folgte die EU.

In Deutschland kam es laut Angaben des Robert-Koch-Instituts 2016 zu insgesamt 2.337 Infektionen mit Clostridium difficile mit schwerem Verlauf. 624 Menschen, die sich infiziert hatten, starben an der Infektion.

Quelle: dpa