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Ratgeber: Wie Sie als Händler die nächste Hitzewelle überstehen

Ein Blick auf die Langzeitprognosen des DWD zeigt, dass sich der September 2016 in den ersten Tagen eher zum Hochsommer als zum Herbst zählen darf. Für viele Regionen in Deutschland werden für mehrere Tage hintereinander Temperaturen um die 30 Grad Celsius prognostiziert. Die hohen Temperaturen bescheren nicht nur den Ärzten einen höheren Zulauf von Patienten mit Kreislaufschwierigkeiten, sondern die Hitzewellen werden auch für zahlreiche Einzelhändler zu einem echten Problem. Schon in den letzten Tagen häuften sich die Berichte, dass die Kühlstrecken und Fleischtresen in den Lebensmittelmärkten geschlossen werden mussten. Deshalb möchten wir den Händlern heute mit einigen Tipps helfen.

So entlasten Sie die Kompressoren der Kühlstrecken

Tipp 1: Wartungsversäumnisse beseitigen!
Zuerst einmal sollten Sie prüfen, ob sich unter Ihren Kühlregalen Kondenswasser gesammelt hat. Das passiert, wenn der Ablauf der Sammelbehälter durch eine vernachlässigte Wartung verstopft ist. Die Kühlung von Wasser erfordert wesentlich mehr Leistung als die Kühlung von Luft. Deshalb können bei kleineren Systemen schon wenige Dutzend Liter Kondenswasser für eine Überlastung der Kompressoren sorgen.

Tipp 2: Schalten Sie die integrierte Beleuchtung ab!

Jede Lichtquelle gibt auch Wärmeenergie ab. Das ist bei den eingebauten Beleuchtungen der Kühlregale nicht anders. Schalten Sie deshalb die Lampen in Ihren Kühlregalen ab. Falls das nicht per Schalter möglich ist, holen Sie sich einen Elektriker, der einen solchen nachrüstet. Damit Ihre Kunden nicht auf gut beleuchtete Angebote verzichten müssen, können Sie auf gegenüberliegende Regale LED-Spots stellen, mit denen Sie im Vergleich zu einer älteren Kühlregalbeleuchtung sogar noch Strom sparen können.

Tipp 3: Komprimieren Sie die Ware im Kühlregal!

Probleme bei hohen Raumtemperaturen gibt es vor allem bei den Kühlregalen, die nur mit einem dünnen Rollo geschützt werden. Hier kann der Kompressor entlastet und vor einer Überhitzung geschützt werden, indem die Ware in den mittleren Abschnitten komprimiert wird. Damit können die Rollos an den seitlichen Teilen heruntergelassen werden, ohne dass Umsatzeinbußen in Kauf genommen werden müssen. Die außer Betrieb genommenen Bereiche sollten Sie innen mit Warentrennern aus Kunststoff oder mit Kartonagen abteilen. Außerdem helfen die dicken Kunststoffsäcke, die eigentlich zum Sammeln von Leergut in die Rollcontainer eingelegt werden. Diese können Sie als zusätzlichen Schutz zum Rollo vor die leergeräumten Bereiche hängen, indem sie einfach mit Paketklebebändern befestigt werden.

Tipp 4: Nutzen Sie ergänzende Hilfsmittel zur Kühlung

In den fahrbaren Kühlcontainern werden große Kühlakkus für die Transportkühlung verwendet. Auch wenn Sie eventuell vorübergehend mit Pfand belastet werden, wenn Sie diese nicht zurückgeben, sollten Sie diese während Hitzewellen behalten. Die Warenkühltruhen sind durch ihre wesentlich bessere thermische Isolierung und die Unabhängigkeit von einem zentralen Kompressor nicht so anfällig wie die offenen Kühlregale. Deshalb können Sie die Kühlakkus dort aufladen und im Kühlregal im Sinne eines Warentrenners verwenden. Dabei ist allerdings Vorsicht geboten, denn sie dürfen nicht neben Waren verwendet werden, die durchfrieren dürften.

Mit diesen Kühlakkus können Sie außerdem hitzebedingte Abschriften bei Schokolade und Pralinen verhindern, indem sie zwischen zwei leere Getränkekisten gelegt werden und dahinter ein Standlüfter mit automatische Drehfunktion platziert wird. Bitte achten Sie bei dieser Form der Warenkühlung aber unbedingt auf die ordnungsgemäße Kennzeichnung und Absicherung der dadurch und vor allem durch die Kabel entstehenden Gefahrenstelle. Diese Konstruktion kann beispielsweise unter einem Schüttkorb versteckt werden. Das Kabel sollte trittsicher sein und mit einem rot-weißen Markierungsband am Fußboden festgeklebt werden, sofern keine Stromversorgung über die Decke Ihres Geschäfts möglich ist.

Tipp 5: Halten Sie gekühlte Luft in den Regalen zurück!

Nach den allgemeinen physikalischen Gesetzten fällt kühle Luft nach unten und warme Luft steigt auf. Deshalb wäre es komplett falsch, den oberen Teil der Kühlregale mit eingeschlagenen Rollos abzudecken. Vielmehr sollten sie im unteren Bereich einen thermischen Schutz anbringen. Räumen Sie die Ware in der unteren Ebene etwas nach hinten und kleben Sie den über die gesamte Regaltiefe hinausragenden Bereich mit zusammengefalteten Kunststoffsäcken für Rollcontainer ab. Auf diese Weise entweicht weniger gekühlte Luft aus Ihren Kühlregalen.

Tipp 6: Sorgen Sie für eine Nachtentlastung des Kompressors!

Bei Hitzewellen reicht der nächtliche Thermoschutz allein durch die heruntergelassenen Rollos nicht aus. Während der Schließzeiten sind keine Sicherheitsvorschriften für den Kundenbetrieb zu beachten. Deshalb können Sie die Fronten Ihrer Kühlregale über Nacht zusätzlich mit dicken Decken abhängen, die allein durch aufgelegte Gewichte an ihrem Platz gehalten werden. Durch diesen zusätzlichen Schutz muss der Kompressor in der Nacht nicht die volle Leistung bringen und kann sich samt dem Technikraum abkühlen.

Tipp 7: Kühlen Sie den Technikraum aktiv!

Hier ist zuerst einmal eine gute Belüftung notwendig. Oft reichen die in den Kompressorsockel integrierten Lüfter bei Hitzewellen nicht aus. Für Abhilfe sorgt ein am einem hohen Ständer befestigter Ventilator, der die vom Kompressor aufsteigende Warmluft direkt aus dem Fenster pustet. Sollte Ihre Kühlware in Rollcontainern mit Trockeneisblöcken bei Ihnen ankommen, sollten Sie sich genau diese Trockeneisblöcke stiebitzen und in den Kompressorraum bringen. Bitte postieren Sie diese aber nicht zu dicht am Kompressor, denn ansonsten könnten die enormen Temperaturdifferenzen für Spannungsrisse sorgen.

Besitzt Ihr Kompressorraum eine Unterhangdecke, deren Hohlraum eine direkte Verbindung mit anderen Räume hat, die nach draußen belüften werden können, sollten Sie sich die Mühe machen und einige der Deckenplatten (falls möglich) auf beiden Seiten entfernen. Dadurch sorgt selbst minimaler Wind für eine zusätzliche Ableitung der Warmluft.

Unsere Tipps zu den Kühlstrecken sind lebensmittelkonform

Mit all diesen Hinweisen können Sie Warenverluste und Umsatzverluste vermeiden. Bedenken, dass Sie damit ein Risiko bei einer Kontrolle der Lebensmittelüberwachung eingehen, müssen Sie nicht haben. Bei Kontrollen von derart geschützten Kühlstrecken haben weder zu Hinweisen noch zu Nachkontrollen geführt. Es handelt sich durchweg um Hilfsmittel, die ohnehin ständig in Kontakt mit der Ware kommen. Eine Ausnahme stellen die Decken zum nächtlichen Thermoschutz dar. Diese haben durch die dazwischenliegenden Rollos der Kühlregale keinen direkten Kontakt zur Ware. Diese Maßnahmen erfordern etwas Zeitaufwand, der allerdings durch die reduzierten Abschriften, die Erhaltung des vollen Angebots sowie die Einsparung beim Energieverbrauch kompensiert wird. Auch die von uns selbst beobachteten Reaktionen der Kunden auf diese Maßnahmen waren durchweg positiv.

Quelle: eigenes Erleben