Höhere Zuzahlungen für Medikamente

Patienten müssen seit dem 01. Juli 2014 mit höheren Zuzahlungen für Medikamente rechnen. Die Krankenkassen haben zu diesem Stichtag ihre Erstattungshöchstbeträge für Tausende Medikamente drastisch abgesenkt. Betroffen sind 70 Million gesetzlich Versicherte, wobei es diejenigen, die unter chronischen Erkrankungen leiden oder aufgrund altersbedingter Krankheiten mehr Medikamente einnehmen müssen, besonders stark trifft. Grund für die erhöhten Zuzahlungen zwischen fünf und zehn Euro pro Medikament sind die nicht im gleichen Maße wie die Erstattungshöchstbeträge gesunkenen Kosten der Arzneimittel.

Diese Medikamente sind besonders betroffen

Die Kassen haben bestimmte Medikamente, die bei Bluthochdruck, Sodbrennen oder Magengeschwüren verordnet werden, besonders stark im Rahmen der Erstattungshöchstbeträge abgesenkt. Bei den blutdrucksenkenden Medikamente sind vor allem

  • Candesartan,
  • Valsartan,
  • Irbesartan,
  • Doxazosin,
  • Eprosartin,
  • Telmisartan,
  • Ramipril,
  • Losartan und
  • Teranar

betroffen. Teilweise wurden hier die Erstattungshöchstbeträge um 70 Prozent gesenkt. Zusätzliche Senkungen ergeben sich für die Protonenpumpenhemmer, zu denen die Medikamente Rabeprazol, Pantoprazol und Omeprazol zählen. Sie werden bei Sodbrennen und Magengeschwüren verordnet. Auch wer unter Migräne leidet und Zolmitriptan, Naratriptan oder Sumatriptan erhält, muss künftig höhere Zuzahlungen leisten.

Nur wenige Medikamente von der Zuzahlung befreit

Insgesamt unterliegen in Deutschland 33.000 Medikamente dem Festbetrag. Nur noch zehn Prozent von ihnen statt bisher 15 Prozent fallen unter die Zuzahlungsbefreiung. Sie müssen, um unter diese Regelung zu fallen, mindestens 30 Prozent unter dem Festbetrag liegen. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat errechnet, dass statt der bisher 4.800 zuzahlungsbefreiten Medikamente nur noch 3.000 die Befreiung von der Zuzahlung erhalten.

Allerdings besteht für Patienten auch Hoffnung, denn Arzneimittelhersteller haben die Möglichkeit, ihre Preise alle 14 Tage anzupassen. Unter Aponet.de kann man sich die aktuellen Preise für die eigenen Arzneimittel aktuell abrufen.

Die Zuzahlungen müssen durch die Apotheken von den Patienten eingetrieben und an die Kassen weiter geleitet werden. Im vergangenen Jahr waren das zwei Milliarden Euro – ein Rekordwert. Im Schnitt müssen Patienten 2,60 Euro pro Packung Medikamente zuzahlen, mindestens sind es aber fünf und höchstens zehn Euro. Bei Werten dazwischen wird der Medikamentenpreis genommen, von dem zehn Prozent gezahlt werden müssen.

Apotheker könnten unter neuen Preisen für Medikamente leiden

Die Apotheker stehen jetzt vor einem nicht zu unterschätzenden Problem: Kommt es zu Festbetragssenkungen, können sie mit den Kassen nur noch geringere Leistungen abrechnen. Dies ist immer dann problematisch, wenn im Rahmen der Lagerhaltung Medikamente vor dem Stichtag zu einem höheren Preis erworben, nach dem Stichtag jedoch zu niedrigeren Preisen abgerechnet werden müssen. Man spricht dann vom so genannten Lagerwertverlust.