Erdbebenserie am San-Andreas-Graben hält weiter an

Schon am Donnerstag hatte ein Erdbeben der Stärke 6,4 auf der nach oben offenen Richter-Skala die Menschen erschreckt, die in Südkalifornien gerade den Unabhängigkeitstag feierten. Inzwischen gab es ein noch stärkeres Erdbeben.

Am Morgen des 6. Juli 2019 wurde ein Erdbeben in Kalifonien mit der Stärke von 7,1 auf der Richter-Skala gemessen. Das Epizentrum lag in Nordwesten von Ridgecrest in einer Tiefe von 17 Kilometern. Auf der „DYFI?“-Skala und in der ShakeMap bekam es die Stufe IX zugeordnet. Auch der Großraum Los Angeles wurde kräftig durchgeschüttelt.

Geologen hatten in Kalifornien schon am Freitag vor weiteren schweren Erdbeben gewarnt

Dass es nach einem Erdbeben dieser Stärken zahlreiche Nachbeben gibt, ist völlig normal. Allerdings warnten die Geologen des United States Geological Survey bereits am Tag nach dem ersten großen Erdbeben davor, dass das lediglich ein Vorbote eines noch schwereren Erdbebens sein könnten. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses schätzten sie für die Region Los Angeles mit 20 Prozent ein. Sie lagen mit ihrer Warnung völlig richtig, wie das Erdbeben vom 6. Juli 2019 beweist. Schon im Verlaufe der gesamten ersten Juliwoche hatte es Auffälligkeiten entlang des San-Andreas-Grabens gegeben. Dazu gehörten vor allem zahlreiche Erdbeben an den Enden der Juan-de-Fuca-Platte, die sich im Norden der US-Westküste bis hinauf nach Kanada zwischen der Nordamerikanischen Platte und der Pazifischen Platte erstreckt. Ihre östliche Kante gehört zum nördlichen Verlauf des San-Andreas-Grabens. Dort gab es im Vorfeld mehrere Erdbeben, die ebenfalls eine Stärke von mehr als 6,0 auf der Richter-Skala hatten.

Auch aktuell warnen die Geologen, dass das Erdbeben vom 6. Juli 2019 nur eine Zwischenstufe darstellen könnte. Die Gefahr eines noch heftigeren Bebens ist nach ihren Einschätzungen noch einmal gewachsen. Das gab die Geologin Lucy Jones in einem Interview mit der LA Times an. Der Seismologe Egill Hauksson geht davon aus, dass es über Monate oder sogar Jahre hinweg Nachbeben bis zum Stärke 5,0 und mehr geben könnte. Das bestätigen die derzeitigen Messungen. Nach den Daten des USGS breitet sich die Region, in der es Nachbeben gibt sowohl nach Nordosten als auch Südwesten aus. Zwischen den Nachbeben liegen meistens höchstens ein oder zwei Minuten.

Welche Schäden haben die Erdbeben in Kalifornien hinterlassen?

Los Angeles ist in der glücklichen Lage, dass das Epizentrum bei beiden Erdbeben reichlich 150 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt war. Vor dort wurden von lokalen Fire Department bisher nur minimale Schäden gemeldet. Trotzdem müssen Besucher der Region aktuell mit einigen Einschränkungen rechnen. Im Disneyland wurden zahlreiche Attraktionen geschlossen. Die Betreiber müssen sie zuerst auf Schäden prüfen, bevor sie für die Nutzung durch Besucher wieder freigegeben werden können. Im Westen von Los Angeles muss mit Straßensperrungen gerechnet werden. Außerdem sind kleinere Gebiete ohne Strom. Besonders betroffen sind die beiden in der Mojave-Wüste liegenden Städte Ridgecrest und Trona. Dort weisen zahlreiche Gebäude nach den ersten Einschätzungen schwere Schäden auf. Die kalifornische Nationalgarde ist bereits auf dem Weg dorthin.

Quelle: USGS, LA Times