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Coronawelle – in den Tierheimen

Kollege Hund

Die optimale Stellung für "Kollege Hund"

Während wir Corona aktuell gut im Griff haben, die Krankenhäuser sich leeren, mehr Freiheiten gewährt werden und vielerorts die Rückkehr in ein einigermaßen normales Leben möglich scheint, baut sich im Hintergrund eine neue Coronawelle auf. Die wirkt sich allerdings nicht auf die Krankenhäuser, sondern auf die Tierheime aus.

Immer mehr Tierheime beobachten einen deutlichen Anstieg bei den abgegebenen Tieren. Diese wurden in den Lockdowns seit dem letzten Frühjahr oft unbedacht angeschafft. Nach über einem Jahr stellen jetzt viele Neu-Tierbesitzer fest: Das Tier passt nicht in mein normales Leben außerhalb von Lockdowns. Ich muss wieder arbeiten und habe keine Zeit mehr, ich möchte verreisen, aber dabei keine Rücksicht auf Hund und Katze nehmen müssen, ich habe meinen Job verloren und kann mir mein Tier nicht mehr leisten, mein Tier „funktioniert“ nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe – das sind nur einige der Gründe, warum aktuell wieder vermehrt Hunde, Katzen, Hamster und Co. in deutschen Tierheimen landen.

Tierheime mahnen – Kapazitäten sind begrenzt

Zwar haben die Tierheime in der Coronakrise ebenfalls extrem viele Anfragen erhalten und konnten ihre Schützlinge in großer Zahl in ein passendes Zuhause vermitteln. Allerdings füllen sie sich langsam wieder. Erste Einrichtungen mussten bereits einen Aufnahmestopp verhängen. Die erfahrenen Mitarbeiter in den Tierheimen gehen davon aus, dass die Zahl der Abgabetiere in den kommenden Wochen und Monaten weiter steigen wird und warnen davor, dass auch Tierheime irgendwann an ihre Kapazitätsgrenzen kommen.

Ein weiteres Problem, das viele Tierschutzvereine aktuell haben: Durch die Corona-Maßnahmen dürfen Interessenten sich die Tiere nur noch mit Termin anschauen. Dadurch können wesentlich weniger Tiere vermittelt werden als zu „normalen“ Zeiten. Auch lassen Besucher, die aktuell nur in begrenztem Maße erlaubt sind, immer wieder Spenden da. Diese Gelder fehlen den Tierheimen jetzt.

Hundeabsatz um 20 Prozent gestiegen

Laut Angaben des Vereins für das Deutsche Hundewesen (VDH), dem Dachverband der Rassehundezüchter in Deutschland, ist der Absatz von Rassehunden im vergangenen Jahr um 20 Prozent gestiegen. Viele Züchter wurden mit Anfragen regelrecht bombardiert, Hunde waren direkt nach der Deckmeldung verkauft – obwohl noch unklar war, ob die Hündin überhaupt aufgenommen hat, geschweige denn, wie viele Welpen sie zur Welt bringen wird. Entsprechend drastisch sind auch die Preise gestiegen – allerdings weniger bei den VDH-Züchtern selbst, sondern vielmehr bei den Anbietern aus dem Internet.

Der illegale Welpenhandel boomte im Coronajahr 2020 ebenso. Wenn Tierheim und Züchter kein passendes Tier „vorrätig“ hatten, reichte ein Klick ins Netz und schon fand man seinen Traumhund. Ohne Papiere, mit zweifelhafter Herkunft, gezüchtet unter tierschutzwidrigen Bedingungen kosten Hunde auch hier 1.500 Euro und mehr. Viele von diesen Hunden sind allerdings nicht korrekt geimpft und entwurmt, wurden zu früh von ihren Müttern getrennt und sterben kurz nach der Übergabe oder haben lebenslang gesundheitliche Probleme.

Dabei fällt es zunehmend schwer, illegalen Welpenhandel zu erkennen. Die Anzeigen wirken seriös, Anfragen werden freundlich beantwortet. Hellhörig sollte man jedoch werden, wenn die Übergabe des Hundes auf einem Parkplatz stattfinden soll. Ausreden, wie die Wohnung wird gerade renoviert, dürfen beim Hundekauf nicht zählen.

Quelle: Tierschutzbund, VDH, eigene Erfahrungen