„Anno 1800“: Die ersten Eindrücke der Kritiker

Am 16. April 2019 ging mit „Anno 1800“ der siebente Teil der erfolgreichen Spieleserie von Ubisoft an den Start. Er knüpft an den Traditionen der Vorgänger an und rief einige inhaltliche Kritiker auf den Plan.

Die Macher des Technikportals Golem kritisieren, dass einige historische Tatsachen im Game „Anno 1800“ überhaupt keine Rolle spielen. Dabei sind sie sich mit vielen Historikern einig, die sich auf die Zeit der Spielehandlungen spezialisiert haben. Insbesondere blendet das Spiel nahezu alle Hinweise auf den damals blühenden Sklavenhandel aus. Nach Einschätzungen von Wissenschaftlern führt das bei den Spielern zu einer verfälschten Wahrnehmung der Geschichte. Ein derart lautendes Statement gab Professor Jürgen Zimmerer gegenüber der Redaktion von Golem ab.

Warum hat sich Ubisoft zu dieser Vorgehensweise bei „Anno 1800“ entschlossen?

Dass diese negativen Elemente der tatsächlichen Geschichte ausgeblendet werden, stand schon bei der Ankündigung des Spiels im Jahr 2017 fest. Die Entwickler hatten von Beginn an Bedenken, dass die Einbeziehung des Sklavenhandels eine negative Wirkung auf die Spielatmosphäre haben könnte. Sie befürchteten, dass sich die Gamer in einer solchen Atmosphäre unwohl fühlen würden. Das heißt, die Schattenseite der tatsächlichen Geschichte ist dem wirtschaftlichen Denken der Entwickler zum Opfer gefallen. Das bestätigt auch ein Interview der Golem-Redaktion mit einem Insider, der namentlich nicht genannt werden will. Nach seinen Aussagen schafft „Anno 1800“ eine „helle, freundliche und wohlgesonnene Parallelwelt“. Problematisch ist allerdings, dass diese Parallelwelt sehr realistisch anmutet. Wer sich nicht intensiv mit der Geschichte auseinandersetzt, könnte den Eindruck bekommen, dass es den Sklavenhandel nie gegeben hat.

Spielspaß ist mit „Anno 1800“ auf jeden Fall garantiert

Trotz der Kritiken dürfte „Anno 1800“ am Erfolg der sechs Vorgänger anknüpfen. Das Entwicklerteam von Blue Byte in Mainz hat sich viel Mühe gegeben, ein anspruchsvolles Aufbauspiel mit strategischen Echtzeit-Elementen zu schaffen. Die Grafiken wurden mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Viele Fans dürften sich darüber freuen, dass sie bei dem Neuling der „Anno“-Reihe wieder zufällig generierte Karten als Spielumgebung nutzen können. Neu sind außerdem Funktionen für die Organisation der Arbeitskräfte und für erkundende Expeditionen. Die Hochwertigkeit des Spiels fordert natürlich auch ihren Tribut. Ubisoft ruft 59,90 Euro als Preis für „Anno 1800“ auf. Auch die Systemanforderungen sind nicht ohne Herausforderungen. Das Game läuft nur auf 64-Bit-Systemen mit einer Prozessortaktung von mindestens 3,20 Gigahertz und mit wenigstens 8 Gigabyte Arbeitsspeicher.

Quelle: Golem, Ubisoft