Vorweg ein Hinweis: Dieser Artikel soll zum Nachdenken anregen. Er enthält sowohl Fakten als auch persönliche Meinungen und Gedanken unseres Redaktionsteams. Wir sind keine Fachleute und auch keine Tierärzte, aber rund um die Bemühungen zur
Welche Erfahrungen aus der Walrettung bleiben ungenutzt?
Immer wieder berichten die vor Ort befindlichen Medienvertreter und die von Seiten der Politik involvierten Verantwortlichen darüber, dass Personen aus dem Rettungsteam vor Ort plötzlich aussteigen und abreisen. Dass jemand krank wird und deshalb abgelöst werden muss, ist nachvollziehbar. Doch allein der mehrfache Wechsel der betreuenden Tierärzte macht nachdenklich.
Warum werden keine Personen dazugeholt, die tatsächlich in größerem Umfang nachprüfbare Erfolge bei der Rettung gestrandeter Wale (verschiedener Unterarten der Gattung) vorweisen können und selbst geeignete Techniken entwickelt haben?
Ein Beispiel dafür wären die Experten der australischen Organisation Sea World Foundation, deren Erfolge bis ins Jahr 1991 zurückreichen. Sie waren unter anderem an Aktionen beteiligt, bei denen ein an der Küste von New South Wales gestrandeter Buckelwal mit einem Gewicht von 10 Tonnen binnen weniger Stunden gerettet werden konnte.
Im Falle des seit Anfang März immer wieder in der Ostsee strandenden Buckelwals sollte das Tier mit Booten „geleitet“ werden, was allerdings kläglich scheiterte. Die australischen Experten haben bei einer Rettungsaktion (in dem Fall kleinere Grindwale) an der Küste der australischen Region Tasmanien im September 2020 festgestellt, dass gestrandete Wale über ihre Gesänge miteinander kommunizieren. Diese Kommunikation ist beispielsweise bei der Futterbeschaffung in freier Natur unverzichtbar und wird auch von Buckelwalen genutzt. Vielleicht sollten sich die Helfer vor Ort vielleicht einmal mit der Möglichkeit beschäftigen, den Buckelwal mit Unterwasserlausprechern und dem Gesang von Artgenossen (nicht seinen eigenen) dazu zu animieren, in eine bestimmte Richtung zu schwimmen.
Der Buckelwal ist ein Säugetier, das Luft zum Atmen braucht!
In unterschiedlichen Abständen sind kleine Fontänen aus Wassertropfen und Luft über dem gestrandeten Buckelwal zu sehen. Das beweist, dass er noch lebt und atmet. Was diese Tatsache für die Rettungsbemühungen bedeutet, zeigt ein Blick auf eine Rettungsaktion nach einer Massenstrandung von Walen in Australien im Frühjahr 2024. Die Helfer unterstützten die Tiere dabei, ihre Köpfe für die Atmung über Wasser zu halten. Bei der Aktion konnten 130 der insgesamt 160 gestrandeten Wale (in dem Fall Grindwale) zu retten.
Uns stellt sich dabei eine logische Frage: Hat sich der Buckelwal in der Ostsee tatsächlich bei jeder Strandung verirrt oder hat ihn sein Überlebensinstinkt dazu gebracht, auf Sandbänke oder in andere flache Bereiche zu schwimmen? Hat sein Instinkt dafür gesorgt, dass er mit letzter Kraft Bereiche aufsucht, in denen er auch dann noch atmen kann, wenn ihm die Kraft fehlt, seine mehr als ein Dutzend Tonnen Körpergewicht zum Atmen an die Wasseroberfläche zu bringen? Könnte es eventuell sogar sein, dass ein erfolgreicher Versuch, ihn zwangsweise in tieferes Wasser zu transportieren, dafür sorgt, dass er aus Kraftlosigkeit ertrinkt und erstickt?
Wie denkt die breite Bevölkerung über die Rettungsversuche für den Buckelwal?
Die unterschiedlichen Meinungen, die von Menschen in Diskussionen über die Bemühungen zur Rettung des Buckelwals geäußert werden, präsentieren sich mittlerweile auch in einer Umfrage, die im Auftrag der RTL Group vom Umfrageinstitut Forsa durchgeführt wurde. 42 Prozent der befragten Personen sprechen sich für die aktiven Rettungsversuche aus, während 40 Prozent dagegen sind. Mit 18 Prozent war in der Umfrage ein knappes Fünftel der Befragten unschlüssig. In den Resultaten spiegeln sich auch die teils widersprüchlichen Darstellungen quer durch alle Medien sowie die heftiger werdende Kritik an einzelnen Akteuren.
Die Medienaufmerksamkeit ist ungebrochen hoch, wie eine Umfrage von YouGov beweist. Dort gaben 49 Prozent der befragten Personen an, die Berichterstattung rund um den Buckelwal in der Ostsee intensiv oder sogar sehr intensiv zu verfolgen. Ist das für einige Akteure eine Möglichkeit, ihre Reichweite in den Medien zu steigern? – Ja! Und diese Möglichkeit wird teilweise sehr intensiv ausgenutzt, indem Fachkenntnis vorgegaukelt wird, die in der Praxis oftmals gar nicht vorhanden ist. Dabei wären wir wieder bei dem leidigen Problem, dass (wie oben bereits beschrieben) viele Potenziale echter Experten bis heute (7 Wochen nach der ersten Hilfsaktion im Hafen von Wismar) noch immer außen vor bleiben.
Leider wurde nicht gefragt, wie sie zur Äußerung von Till Backhaus stehen, eine Bronzestatue als Erinnerung an den Buckelwal und die Rettungsaktion aufstellen lassen zu wollen. Hilft das dem aktuell leidenden Tier? – Nein! Aber es kostet Geld und das nicht wenig. Wäre es nicht besser, dieses Geld in Forschungen zu stecken, die sich intensiver mit den Ursachen von Walstrandungen beschäftigen? Beantworten Sie sich diese Frage bitte selbst. Wir sind uns sicher, dass Sie zur gleichen Antwort wie wir kommen.
Quellen: Sea World Foundation, 7News, ABC Australia, RTL, ntv, YouGov

Weitere Meldungen
Sea Shepherd startet in die neue Saison der CleanUp-Kampagnen
Greenpeace warnt: Schaum an Nordsee- und Ostseeküste ist keine ungefährliche Gischt
A-23a: Aktuell größter Eisberg der Welt ist wieder in Bewegung