Zahnspangen – was können sie wirklich?

Pro Jahr geben die gesetzlichen Krankenkassen über eine Million Euro für Zahnspangen aus. Bislang ist aber nicht geklärt, ob sie wirklich langfristigen Nutzen für die Patienten bringen.

Eine Zahnspange hat fast jeder im Kinder- und Jugendalter getragen, ob lose oder fest, mit Glitzer und natürlich in der jeweiligen Lieblingsfarbe. Heute wird fast jeder zweite Jugendliche vom Kieferorthopäden behandelt. Ziel ist es, Zahnfehlstellungen zu beseitigen. Eine aktuelle Untersuchung zeigt allerdings, dass unklar ist, wie stark die Kinder langfristig tatsächlich von diesen Zahnspangen profitieren können.

Gutachten stellt Zahnspangen in Frage

Bereits im April hatte der Bundesrechnungshof Missstände in der Kieferorthopädie bemängelt. Daraufhin hat das Bundesgesundheitsministerium ein entsprechendes Gutachten beauftragt. Damals wurde vor allem kritisiert, dass trotz der unzähligen Behandlungen mit einer Zahnspange niemand wisse, was genau bei den Ärzten passiert und in welchem Maße die Patienten profitieren können.

Diese Kritik wurde von dem aktuellen Gutachten weitestgehend bestätigt. Dafür haben Forscher vom IGES-Institut Daten aus allen Studien zusammengetragen, die sie finden konnten. Es ging dabei um die langfristigen Auswirkungen kieferorthopädischer Behandlungen einerseits, den finanziellen Aufwand und den noch bestehenden Forschungsbedarf.

Die Studien haben zwar Erfolge bei der Korrektur der Zahnstellung belegen können und damit auch die Lebensqualität der Patienten gesteigert. Allerdings ist der langfristige Nutzen fraglich. Wie wirken sich etwa die Behandlungen auf die Entwicklung von späteren Zahnverlusten, -lockerungen, Schmerzen und Entzündungen aus? Dazu gibt es derzeit keine hinreichenden Erkenntnisse.

Kosten für Zahnspangen steigen

Trotzdem steigen die Kosten, die die gesetzlichen Kassen in die Kieferorthopädie investieren seit Jahren an. Im vorletzten Jahr erreichten sie mit mehr als einer Milliarde Euro einen neuen Höchststand. In dem Gutachten heißt es, dass die Zahl der Behandlungen gestiegen ist, was zu den Mehrkosten führte. Trotzdem sank die Zahl der Versicherten, die vorwiegend in kieferorthopädischer Behandlung sind, sprich Kinder und Jugendliche.

Trotzdem betonte ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dass man die Notwendigkeit kieferorthopädischer Leistungen nicht anzweifle. Das Ministerium erklärte dazu, dass zwar nicht nachgewiesen werden kann, dass Zahnspangen Karies, Parodontose und Co. verringern, aber dieser Fakt kann auch nicht ausgeschlossen werden.

Grundsätzlich entscheidet auch nicht der Gesetzgeber, sondern der Gemeinsame Bundesausschuss, welche Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Dazu zählen Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenkassen und Krankenhäuser. Mit diesem Ausschuss wolle man nun „den weiteren Forschungsbedarf und Handlungsempfehlungen erörtern“.

Die Forscher aus der aktuellen Studie fordern daher, die langfristigen Auswirkungen künftig besser zu erforschen. Anschließend könne man die Ergebnisse nutzen, um Standards für Diagnostik und Therapie der Zahnfehlstellungen zu erarbeiten.

Quelle: dpa