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Zahl der Inobhutnahmen durch Jugendämter 2021 gestiegen

cute little multiracial children playing with wooden blocks on table

Aus welchen Gründen mussten die Jugendämter 2021 mehr Inobhutnahmen als im Vorjahr anordnen? Wir haben uns offizielles Zahlenmaterial angeschaut.

Insgesamt wurden rund 47.500 Inobhutnahmen durch Jugendämter für das gesamte Jahre 2021 gemeldet. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Plus von rund 5 Prozent. Doch es gibt auch eine gute Nachricht, denn die Anzahl der wegen dringender Kindeswohlgefährdung unter die Aufsicht der Jugendämter gestellten Kinder und Jugendlichen ging das zweite Jahr in Folge zurück. 2019 waren davon noch 32.467 Heranwachsende betroffen. Im Jahr 2020 lag die Zahl bei 30.324 Kindern und reduzierte sich nach den offiziellen Daten des Statistischen Bundesamts auf 2021 auf 28.518 Fälle.

Warum ist die Gesamtzahl der Inobhutnahmen trotzdem gestiegen?

Vor allem die Anzahl der von den Jugendämtern in Obhut genommenen unbegleiteten Jugendlichen aus dem Ausland stieg drastisch an. 2020 gab es 7.563 Fälle und im Jahr 2021 wurden 11.278 Fälle gemeldet. Das bedeutet einen Anstieg um 49 Prozent. Außerdem gab es eine leichte Steigerung bei den Fällen, in denen Jugendliche selbst bei den Jugendämtern vorsprachen und um eine Inobhutnahme baten. 2020 gab es 7.557 sogenannte Selbstmeldungen. Im Jahr 2021 wurden 7.727 Selbstmeldungen verzeichnet, was eine Steigerung um 2 Prozent bedeutet. Im ersten Coronajahr 2020 war die Anzahl der Selbstmeldungen nach einem kontinuierlichen Anstieg in den Jahren 2018 und 2019 leicht zurückgegangen. Kinder unter 14 Jahren machten 42 Prozent aller Fälle aus. Das die Mehrheit der Inobhutnahmen auf ältere Jugendliche entfällt, liegt am hohen Anteil der unbegleiteten Jugendlichen aus dem Ausland. Er ist auch dafür verantwortlich, dass mit 56 Prozent mehr Jungen als Mädchen unter die Aufsicht der Jugendämter gestellt wurden.

Was sind neben der unbegleiteten Einreise die wichtigsten Gründe?

Bei Kindern unter 14 Jahren mussten die Jugendämter am häufigsten handeln, weil ein oder beide Elternteile mit der Betreuung der Kinder überfordert waren. In 26 Prozent aller Fälle wurden Anzeichen für eine Vernachlässigung der Heranwachsenden durch die Sorgeberechtigten gefunden. Noch schlimmer ist jedoch die Tatsache, dass 18 Prozent der Inobhutnahmen aufgrund von Hinweisen auf körperliche Misshandlungen der Kinder im familiären Umfeld erfolgen mussten. Anzeichen für eine psychische Misshandlung gab es in 12 Prozent der Fälle. Beziehungsprobleme der Eltern standen bei 11 Prozent der von den Jugendämtern in Obhut genommenen Kinder unter 14 Jahren im Mittelpunkt.

Inobhutnahmen erfolgen mehrheitlich nur für kurze Zeit

In 34 Prozent aller Fälle mussten die betroffenen Kinder und Jugendlichen maximal 5 Tage in der Obhut der Jugendämter bleiben. Bei 53 Prozent der Heranwachsenden wurde die Inobhutnahme im Jahr 2021 innerhalb von zwei Wochen beendet. Nur rund 12 Prozent der Jugendlichen und Kinder mussten über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten durch die Jugendämter außerhalb des elterlichen Haushalts untergebracht werden. Rund 35 Prozent der Betroffenen konnten an ihren vorherigen Lebensmittelpunkt zurückkehren. In dieser Zahl ist die Rückkehr zu Eltern und Pflegeeltern genauso enthalten wie die Rückkehr in ein Heim, in dem die Jugendlichen zuvor gelebt hatten. Rund 80 Prozent der Heranwachsenden verbrachte die Zeit der Inobhutnahme in einem Jugendnotdienst oder einem Kinderheim. Die verbleibenden 20 Prozent wurden beispielsweise bei anderen Angehörigen, in Sammelunterkünften für Flüchtlinge oder bei guten Freunden untergebracht.

Quelle: Statistisches Bundesamt