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Zahl der Baugenehmigungen gestiegen: Ist die Bauwirtschaft ein Hoffnungsträger?

Schriftzug Statistik

Bisher war die Bauwirtschaft ein stabiler Faktor bei der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Aktuell deutet sich durch die Coronakrise eine Trendwende an.

Über die Probleme in der Bauwirtschaft kann auch die steigende Zahl der erteilten Baugenehmigungen nicht hinwegtäuschen. Die Chefs der vieler Bauunternehmen bekommen Sorgenfalten beim Blick auf die Entwicklung der Auftragslage. Der Zeitraum, der mit Bauaufträgen im Voraus planbar ist, schrumpft momentan im Vergleich mit dem Vorjahr sehr deutlich. Das ergibt sich aus Zahlen des Statistischen Bundesamts und des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes.

Wie entwickeln sich die erteilten Baugenehmigungen?

Insgesamt stieg die Zahl der erteilten Baugenehmigungen im Mai 2020 im Vergleich mit dem Vorjahresmonat um 3,9 Prozent. Es zeichnet sich ab, dass der Markt auf die bestehende Wohnungsnot weiterhin reagiert. Die Anzahl der Baugenehmigungen für Wohngebäude stieg im Vergleichszeitraum um 7,3 Prozent. Ein Blick auf die Verteilung auf die verschiedenen Arten von Objekten ist interessant. Im Mai 2020 wurden rund 8,7 Prozent mehr Baugenehmigungen für Mehrfamilienhäuser ab drei Wohneinheiten als im Mai 2019 erteilt. Noch deutlicher geht die Kurve mit einem Plus von 19,7 Prozent bei den Genehmigungen zum Bau von Eigentumswohnungen nach oben. Sehr deutlich negative Auswirkungen zeigt die Coronakrise beim Wunsch nach einem Eigenheim. Dort schlägt ein Minus von 7,3 Prozent zu Buche. Der Bau von Wohnheimen ist aktuell besonders beliebt. Dafür wurden im Mai 2019 lediglich 795 Baugenehmigungen erteilt. Im Mai 2020 waren es 1.924.

Wieso gibt es trotzdem Probleme in der Bauwirtschaft?

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe geht davon aus, dass das Jahr 2020 „deutlich schlechter“ als das Vorjahr ausfallen wird. Ursache dafür sind nicht nur die zusätzlichen Aufwendungen, die Bauunternehmen zur Bekämpfung von COVID-19 tragen müssen. Die Auftragsbestände erreichen aktuell nicht den Vorlauf des Jahres 2019. Besonders betroffen sind die Teilbereiche öffentlicher Bau und Wirtschaftsbau. Auch die Meldungen zur Auslastung der Bautechnik zeigen sie Auswirkungen der Coronakrise. Im Mai 2019 verzeichnete der Hochbau eine Geräteauslastung von 85 Prozent. Aktuell sind es nur 78 Prozent. Tiefbauunternehmen meldeten ähnlich rückläufige Zahlen.

Doch die in der Bauwirtschaft tätigen Unternehmer machen sich noch an anderer Stelle Sorgen. Dabei geht es um die geplanten strukturellen Änderungen bei der Vergabe von Aufträgen für den Straßenbau von Bund und Ländern. Gegen die Integration der DEGES GmbH in die Autobahn GmbH gibt es verfassungsrechtliche Bedenken. Das hat bereits zu erheblichen Lücken in der Auftragsvergabe geführt. Hinzu kommt die Notwendigkeit, viele Aufträge neu ausschreiben zu müssen. Daraus resultieren Verzögerungen, die zu einem weiteren Schrumpfen des Auftragsvorlaufs in zahlreichen Bauunternehmen führen. Als besonders Betroffene benennt der Zentralverband Deutsches Baugewerbe Unternehmen aus den Bereichen Straßenbau und Brückenbau.

Quelle: destatis, ZDB