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Wassermangel verursacht flächendeckend Probleme

Grand Coulee Dam Hydroelectric Power Station Washington State

Immer mehr Regionen der Welt sind von einem voranschreitenden Wassermangel betroffen. Davon bleiben auch Mitteleuropa und Deutschland nicht verschont.

Dürrephasen gab es schon immer und wird es auch in Zukunft geben. Sie sind kein meteorologisches Phänomen der Neuzeit. Allerdings verstärkt sich das Ausmaß beim Wassermangel durch den Klimawandel und die damit verbundene globale Erwärmung. Die Folgen sind fatal und zeigen sich in verschiedenen Bereichen. Dabei entstehen Kettenreaktionen, die den Klimawandel weiter forcieren und vielen Menschen und Unternehmen die wirtschaftliche Grundlage entziehen.

Bremst der Wassermangel die Energiewende in Deutschland aus?

Die Stromerzeugung in Wasserkraftwerken machte in Deutschland im Jahr 2021 nach Angaben des Umweltbundesamts gerade einmal rund 8,2 Prozent aus. Die Potenziale zur Nutzung der Wasserkraft sind damit fast vollständig ausgeschöpft. Zu den vom Wassermangel vor allem im Nordosten Deutschlands Betroffenen gehören in erster Linie die Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Hinzu kommen Unternehmen wie beispielsweise die Weiße Flotte Dresden, die ausgerechnet am Elbhangfest-Wochenende (25./26. Juni 2022) erste Raddampfer nicht mehr auf die Reise schicken konnte. Grund war der Wasserstand der Elbe, der bereits am 24. Juni 2022 am Pegel Dresden nur noch bei 70 Zentimetern lag.

Wo wirkt sich der Wassermangel auf die Stromerzeugung aus?

Bei der Nutzung der Wasserkraft für die Stromerzeugung belegt China mit einer installierten Nennleistung von 391 Gigawatt den weltweiten Spitzenplatz. Auf dem zweiten Rang landet Brasilien mit 109 Gigawatt. In den USA stehen Wasserkraftwerke mit einer Nennleistung von 102 Gigawatt für die Stromerzeugung zur Verfügung. Kanada bringt es immerhin noch auf eine Nennleistung von 83 Gigawatt. Bei der Nutzung der Wasserkraft in Europa bringt es Norwegen mit 35 Gigawatt auf den Spitzenplatz. Frankreich kann Wasserkraftwerke mit einer Gesamtnennleistung von 26 Gigawatt vorweisen. In diesen Ländern spielt der Faktor Wassermangel bei der mit Blick auf den Klimawandel notwendigen Umstellung auf erneuerbare Energien eine deutlich größere Rolle als in Deutschland.

Wo gibt es derzeit einen akuten Wassermangel?

In Frankreich leiden vor allem die Regionen an den Mittelmeerküsten unter Wassermangel. In der zweiten Junihälfte 2022 mussten dort rund 40 Verwaltungsbezirke Maßnahmen zur Einsparung von Trinkwasser verhängen. Portugal ist großflächig von den Folgen der extrem niedrigen Niederschlagsmengen betroffen. Die Landwirtschaft in Portugal ist auch auf das Wasser der Flüsse angewiesen, die von Spanien nach Portugal fließen. Doch Spanien erlebt ebenfalls Dürrefolgen, sodass die dortigen Landwirte mehr Wasser als sonst aus diesen Flüssen entnehmen müssen. Die Konsequenz ist, dass in Portugal deutlich weniger Wasser in den Flüssen ankommt. Auch in Italien ist der Wassermangel derzeit stark ausgeprägt. Dort treffen 2022 geringe Schmelzwasserabflüsse aus den Gebirgen im Norden mit unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen zusammen. Ein Beispiel ist das Po-Delta, wo aktuell der Wasserstand so niedrig ist, dass Meerwasser bis tief in die Flussmündung eindringen kann. Die Landwirte in Italien befürchten deshalb massive Einbußen bei der Ernte von Reis, Mais, Gerste sowie Tomaten und Melonen.

Welche Kettenreaktionen löst der Wassermangel aus?

Die gleichzeitige Dürre in Spanien und Portugal ist nur ein Beispiel für eine Kettenreaktion. Eine wesentlich größere Bedeutung hat der vom Wassermangel ausgelöste „Domino-Effekt“ auf die Entwicklung des Klimas. Sinkende Grundwasserstände setzen den Wäldern heftig zu. Die Bäume trocknen aus und werden Opfer riesiger Waldbrände. Die Waldbrände schicken nicht nur Feinstaub sowie CO2 in die Atmosphäre und tragen zur weiteren Erderwärmung bei, sondern vernichten auch ein für die Stabilität des Klimas unverzichtbares Element. Ein zusätzliches Problem entsteht durch die Flächenkonkurrenz zwischen der Forst- und Landwirtschaft sowie der Energiewirtschaft und dem steigenden Flächenbedarf für eine Bebauung. Diese Flächenkonkurrenz führt dazu, dass viele von Waldbränden heimgesuchte Flächen nicht wieder aufgeforstet werden, sondern eine dauerhafte Umnutzung erfahren. Diese Vorgehensweise ist einer der Faktoren, die dazu beitragen, dass Dürreereignisse in Zukunft auch in Europa häufiger und heftiger auftreten werden als in der Vergangenheit.

Quelle: Umweltbundesamt, Utilitalia, Landesumweltämter