Was bringt die neue Bücher-Flatrate von Amazon?

Pünktlich zum Start der Frankfurter Buchmesse will auch Amazon wieder mehr Leute zum Lesen bringen und wirbt seit kurzem mit dem Programm „Kindle Unlimited“, das in den USA bereits seit längerem auf dem Markt ist. Für monatlich 9,99 Euro sollen Kunden unbegrenzt Bücher ausleihen und lesen können. Das klingt auf den ersten Blick gut, werden doch mehr als 650.000 Titel versprochen. Doch was ist dran?

Wie viele Bücher stehen bei Amazons „Kindle Unlimited“ zur Auswahl?

Wer auf der Seite gezielt nach „Kindle Unlimited“ sucht, dem werden nicht nur 650.000, sondern sogar 719.000 Ergebnisse angezeigt. Eine schier unendliche Lesefreude dürfte die Leser also erwarten? Mitnichten. Auf den ersten Blick sieht alles gut aus, doch bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass mehr als 670.000 angebotene Titel nicht in deutscher Sprache angeboten werden.

Von den verbleibenden, nicht einmal 50.000 deutschsprachigen E-Books ist das Highlight noch die Harry-Potter-Reihe von Joanne K. Rowling. Ansonsten finden sich eher E-Books im Self-Publishing-Bereich oder von Verlagen, wie Riva, Prospero oder Grin, die noch nicht allzu bekannt sind.

Auch die wichtigsten Autoren, wie Lutz Seiler, der für seinen Roman „Kruso“ gerade mit dem Deutschen Buchpreis 2014 ausgezeichnet wurde, Ken Follet, Astrid Lindgren oder Peter Scholl-Latour sucht man vergebens. Bei den großen und bekannten Verlagen, wie etwa  dem Lübbe-Verlag, wird man zwar fündig, allerdings werden über „Kindle Unlimited“ nur die Groschenhefte angeboten.

Gibt es Alternativen zu „Kindle Unlimited“?

Eine echte Bücher-Flatrate kann Amazon also auch nicht bieten. Doch gibt es überhaupt Alternativen? Der Anbieter Readfy bietet ebenfalls eine E-Book-Flatrate an. Dort sind aber zumindest 70.000 Titel im Angebot.

„Kindle Unlimited“: Big Brother liest mit

Für die Autoren und Verlage gibt es die einmal ausgehandelten Konditionen. Daher spielt es kaum eine Rolle, ob die E-Books gekauft oder geliehen werden. Allerdings ist eine Voraussetzung für die Vergütung vorhanden: Der Kunde muss wenigstens zehn Prozent des Buchs lesen. Daher liest Amazon bei jedem „Kindle Unlimited“ Titel automatisch mit – zu Abrechnungszwecken. Ob das von den Kunden so gewollt ist?