Waldbrände in Brasilien: Regierung wird endlich aktiv

Brasilien besitzt den weltweit größten Anteil zusammenhängender Regenwaldflächen. Im Norden des Landes wüten gigantische Waldbrände, die dem globalen Klima einen erheblichen Schaden zufügen.

Bisher sah sich Staatschef Jair Bolsonaro nicht dazu veranlasst, von Seiten der Regierung bei der Bekämpfung der Waldbrände in Brasilien einzugreifen. Doch nach dem Druck der Regierungschefs beim G7-Gipfel hat er sich endlich zum Handeln entschlossen. Inzwischen unterstützen rund 44.000 Soldaten die lokalen Feuerwehren, die den Flammenwänden schon lange nicht mehr gewachsen sind. Auch in Bolivien, Paraguay und Peru brennen Regenwaldflächen. Allein in Bolivien wurden Wälder auf einer Fläche von rund einer Million Hektar binnen zwei Wochen ein Opfer der Flammen.

Bolsonaro betrachtet Hilfsangebot der G7-Staaten als Einmischung

Die Teilnehmer des G7-Gipfels hatten auf die Initiative des französischen Staatschefs Macron direkt reagiert und eine finanzielle Soforthilfe von 20 Millionen Euro für die Bekämpfung der Waldbrände in Brasilien angeboten. Doch der brasilianische Regierungschef lehnte das Angebot trotz eines Vetos seines eigenen Umweltministers Ricardo Salles ab. Er warf Emmanuel Macron per Twitter wörtlich vor, Brasilien wie eine Kolonie zu behandeln. Der Grund dafür war, dass Macron damit drohte, das MERCOSUR-Abkommen in Frage zu stellen, wenn Brasilien nicht schnellstens gegen die gigantischen Waldbrände im Amazonas-Gebiet vorgeht. Sie sind im Jahr 2019 besonders heftig. Nach den Daten der Weltraumbehörde Inpe gab es in den ersten acht Monaten in Brasilien etwa 78.000 Waldbrände. Das bedeutet eine Steigerung um etwa 84 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Zahlen bestritt der brasilianische Regierungschef, obwohl sie von Satellitenaufnahmen stammen. Die Fotos, die von der ISS aufgenommen wurden, zeigen eindeutig, wie schlimm die Lage aktuell ist. Außerdem ist Jair Bolsonaro dafür verantwortlich, dass die Mittel aus dem Amazonas-Fonds nicht mehr vor Ort ankommen. Die Konsequenzen sind mangelhafte personelle und technische Ausstattungen der lokalen Feuerwehren, die für den Bereich des Amazonas-Regenwalds in Brasilien zuständig sind.

Der Verlust der Regenwälder in Südamerika ist pures Gift für das Klima

Die gigantischen Waldbrände in Brasilien belasten das Klima gleich mehrfach. Einerseits fehlt die ausgleichende Wirkung der Regenwälder auf die Feuchtigkeitsverteilung. Hinzu kommt, dass Regenwälder parallel eine dämpfende Wirkung auf den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen haben. Aber auch die von den Waldbränden ausgehenden Ruß- und Aschewolken haben negative Effekte auf die Gesundheit der Menschen in den betroffenen Regionen und das Klima. Die Ruß- und Aschepartikel trüben die Luft ein und sorgen dafür, dass sie die Wärmestrahlung der Sonne verstärkt absorbiert. Aktuell überziehen die Aschewolken den gesamten Nordwesten des südamerikanischen Kontinents. Wie wenig ernst das der brasilianische Regierungschef nimmt, zeigt auch die Tatsache, dass er das Budget seines Umweltministeriums im Jahr 2019 um 95 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gekürzt hat. Dabei gäbe es Unterstützung aus vielen Quellen. So kündigte beispielsweise Leonardo DiCaprio bereits zu Wochenbeginn an, 5 Millionen Dollar für die Bekämpfung der Regenwaldbrände in Brasilien zu spenden. Statt sich über diese Unterstützung zu freuen, unterstellt der brasilianische Regierungschef den Umwelt- und Klimaschützern im eigenen Land, die Brände zur Erlangung von Medienaufmerksamkeit gezielt gelegt zu haben.

Quelle: BBC, Twitter