Viele internationale Spitzensportler sind psychisch krank

Zu diesem Schluss kam eine Studie, die vom Fachbereich Psychiatrie der Uniklinik Aachen durchgeführt wurde. In einem Interview mit der Zeitung „Das Parlament“ benannte der auf Sportler spezialisierte Psychiater Frank Schneider die wichtigsten Erkrankungen und Ursachen. Die unter seiner Leitung in der Studie gewonnen Erkenntnisse widerlegen die bisherige Annahme, dass die Spitzensportler durch eine intensive Betreuung psychisch stabil wären. Aber genau diese Betreuung weist nach dem Statement von Frank Schneider gravierende Lücken auf. Er bemängelte vor allem die derzeit fehlenden Regelungen zur Berufsbezeichnung Mental-Coach.

Unter welchen psychischen Krankheiten leiden die Sportler?

Die Universitätsklinik Aachen stellte fest, dass bestimmte Erkrankungen bei den Vertretern einiger Sportarten gehäuft diagnostiziert werden. Das trifft vor allem auf die Magersucht zu. Diese Diagnose wird besonders oft bei Kunstturnern, Kunstspringern und Boxern gestellt. Frank Schneider führt das auf die Notwendigkeit der ständigen Gewichtskontrolle aufgrund der Reglements und der Ästhetik zurück. Viele Sportler, die in internationalen Wettkämpfen antreten, leiden unter Schlafstörungen. Der Psychiater gab als Grund dafür den ständigen Wechsel zwischen unterschiedlichen Zeitzonen an. Da eine Sportlerkarriere jederzeit durch einen Unfall beendet werden kann, leiden zahlreiche Profisportler unter Angststörungen, welche durch Existenzängste ausgelöst werden. Auch Depressionen und das Burnout-Syndrom werden bei Spitzensportlern regelmäßig diagnostiziert. Von den Depressionen sind Sportlerinnen häufiger betroffen als ihre männlichen Kollegen. Suchterkrankungen weisen nach der Studie von Frank Schneider bei Gruppensportarten eine größere Häufigkeit als bei Einzelsportarten auf.
Warum kritisiert Frank Schneider die Mental-Coaches?
Die Berufsbezeichnung Mental-Coach darf in Deutschland jeder führen, da es keine gesetzlichen Regelungen dazu gibt. Viele Sportler verlassen sich auf die Betreuung der Mental-Coaches, ohne dabei zu bedenken, dass diese weder eine psychiatrische noch eine psychologische Ausbildung haben müssen. Sie sind deshalb in der Regel nicht in der Lage, die Anzeichen einer Depression oder eines Burnouts zu erkennen und ihnen mit geeigneten Maßnahmen zu begegnen. Schnelle Hilfe finden betroffene Sportler bei der 2009 gegründeten Robert-Enke-Stiftung. Sie wurde ins Leben gerufen, nachdem sich der Namensgeber, der Torwart Robert Enke, nach langjährigen Depressionen in Neustadt in Niedersachsen an einem Bahnübergang das Leben nahm.

Quelle: PM Deutscher Bundestag