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Arbeitsmarkt in Deutschland: Gibt es Unterschiede zwischen Ost und West?

Plenarsaal Bundestag

Auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung finden sich in den Daten zum Arbeitsmarkt Ost und West in Deutschland noch Besonderheiten.

Die Trends auf dem Arbeitsmarkt in Ostdeutschland waren Gegenstand einer Kleinen Anfrage von Abgeordneten der Linken-Fraktion aus dem Bundestag. Inzwischen hat die Bundesregierung eine Antwort mit detailliertem Zahlenmaterial vorgelegt. Diese Zahlen machen nachdenklich, denn auch heute noch zeigen sich Unterschiede zwischen dem Arbeitsmarkt in Ostdeutschland und dem Arbeitsmarkt in Westdeutschland.

Lohngefälle bestimmt nach wie vor den Arbeitsmarkt

Zum Entgelt verweist die Bundesregierung in ihrer Antwort auf Daten aus dem Jahr 2024. Zu dieser Zeit erhielten in Vollzeit beschäftigte Erwerbstätige in Ostdeutschland mit durchschnittlich 3.539 Euro brutto pro Monat 578 Euro weniger als Vollzeitbeschäftigte in Westdeutschland (Durchschnitt 4.117 Euro). Ein Grund für diese Differenz ist die Tatsache, dass in Ostdeutschland der Anteil der Unternehmen mit einer Tarifbindung deutlich niedriger als in Westdeutschland liegt. Der Unterschied beläuft sich nach den Angaben der Bundesregierung auf etwa 10 Prozent. Daraus resultierend erhält ein höherer Anteil der Beschäftigten in Ostdeutschland gerade einmal den gesetzlichen Mindestlohn.
Zudem ist der Fachkräftemangel in Ostdeutschland besonders ausgeprägt. Dazu trägt unter anderem die sinkende Bevölkerungszahl bei. Sie zeigt Spitzenwerte in den Flächenländern besonders im Osten der Bundesrepublik. Hinzu kommt, dass sich der Wanderungssaldo zwischen Ost und West im Jahr 2023 umgekehrt hat. Von 2017 bis 2022 verzeichneten die ostdeutschen Bundesländer (ohne Berlin) ein Plus. Seit 2023 wird vom Statistischen Bundesamt für Ostdeutschland ein Minus ausgewiesen, das zuletzt bei 8.626 Personen lag.

Pendler und Arbeitslosenquote: Wie ist das Verhältnis zwischen Ost und West?

Bei der Anzahl der Pendler ist das Verhältnis besonders unausgeglichen. Rund 458.000 in Ostdeutschland wohnende Personen pendelten im Juni 2025 zu einem Arbeitsplatz in Westdeutschland. Pendelfahrten zwischen einem Arbeitsplatz in Ostdeutschland und einem Wohnort in Westdeutschland absolvierten rund 244.000 Personen. Hier muss ergänzend berücksichtigt werden, dass die Anzahl der insgesamt erwerbstätigen Einwohner in Westdeutschland wesentlich höher als in Ostdeutschland ist.
Im Juni 2025 lag die gesamtdeutsche Arbeitslosenquote bei rund 6,3 Prozent. Die Bundesregierung gibt in ihrer Antwort als Jahresdurchschnitt 2025 für Ostdeutschland eine Arbeitslosenquote von 7,8 Prozent an. Dort ist jedoch ein positiver Trend zu erkennen, denn zehn Jahre zuvor lag die Arbeitslosenquote in der Osthälfte Deutschlands noch bei 9,2 Prozent. Dennoch ist es rein rechnerisch (ohne Berücksichtigung der Anforderungen und vorhandenen Ausbildungen) nicht möglich, jeder arbeitslosen Person einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren in Ostdeutschland rund 678.000 Personen arbeitslos gemeldet, aber die Bundesagentur für Arbeit konnte zeitgleich nur 123.000 offene Stellen im Osten Deutschlands vergeben.

Quelle: Deutscher Bundestag Drucksache 21/6381

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