Tierwohl-Label in der Kritik

Bundesagrarminister Christian Schmidt plant ein staatliches Tierwohl-Label. Doch das stößt bei Tierschützern auf heftige Kritik. Selbst der Tierschutzbund hat seine bereits zugesagte Unterstützung für das Siegel wieder entzogen, obwohl dieses doch höhere Anforderungen etwa an die Schweinehaltung beinhalten soll.

Tierschützer unzufrieden mit Tierwohl-Label

Thomas Schröder, Präsident beim Deutschen Tierschutzbund, kritisierte das neu geplante Tierwohl-Label gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ dahingehend, dass man auf diese Weise „keinen nachhaltigen Tierschutz“ schaffe. Andere Tierschützer blasen ins gleiche Horn.

Anders sieht das der Bauernverband, der das Label auch weiterhin unterstützen will. Gleichzeitig kritisierte man jedoch die „sehr ambitionierten“ Kriterien des Labels. Joachim Rukwied, Präsident des Bauernverbandes, geht davon aus, dass die von der Regierung anvisierten Mehrkosten von 20 Prozent für die Premiumstufe des Labels nicht ausreichen werden.

Grundsätzlich gingen die Bauern zwar bei den Plänen des Agrarministers mit, allerdings müsse dabei auch eine Verzahnung mit der von Landwirtschaft und Handel bereits bestehenden Initiative greifen. Supermarktketten zahlen dafür in einen Fonds ein, aus dem Bauern, die freiwillig an der Initiative teilnehmen und Investitionen für mehr Tierwohl tätigen, honoriert werden.

Wie sehen die Kriterien für das Tierwohl-Label aus?

Bereits am Dienstag hatte Schmidt die neuen Kriterien für das geplante Tierwohl-Label vorgestellt. Schon in der Eingangsstufe gehen diese über die gesetzlichen Standards und über die Initiative der Branche hinaus. So soll das Platzangebot für Schweine 33 Prozent größer ausfallen als in den gesetzlichen Standards vorgeschrieben. In der Premiumstufe soll das Platzangebot sogar um 70 bis 100 Prozent vergrößert werden. Bereits 2018 könnten erste Betriebe laut Schmidt zertifiziert werden. Bis zur Bundestagswahl soll ein konkreter Gesetzentwurf zum Thema vorgelegt werden.

Die Tierschützer kritisieren, dass die Ankündigungen unseriös seien. Versprechungen, die auf einem noch völlig unfertigen Label basierten, würden das Vertrauen in den gesamten Planungsprozess sowie das Label selbst zerstören. Außerdem blieben zahlreiche Fragen offen, etwa die nach der Zertifizierung selbst, nach Kontrollen, Beratung und den nötigen Fördergeldern für die Landwirte. Aus der Organisation „Vier Pfoten“ hagelte es ebenfalls Kritik. Im Hinblick auf die vorgestellten Kriterien spricht man hier sogar von „Verbrauchertäuschung und Betrug“. Wesentliche Verbesserungen für die Tiere gingen mit den vorgestellten Kriterien nicht einher.

Aus der Regierung heißt es, man brauche Planungssicherheit. Insbesondere die Landwirtschaft habe schließlich einen „Anspruch auf eine schnelle Klärung der noch offenen Fragen“. Ziel eines staatlichen Tierwohl-Labels müsse es grundsätzlich sein, einen Konflikt zu lösen und Branche und Gesellschaft nicht zu verunsichern.

Quelle: dpa