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„The Great Smog“: Welche Gefahren bergen Inversionswetterlagen?

The illuminated Tower Bridge at night

Immer wieder ist in Wettervorhersagen von sogenannten Inversionswetterlagen die Rede. Wir gefährlich sie sein können, zeigt ein Ereignis aus der Mitte des 20. Jahrhunderts in der britischen Hauptstadt London.

Eine Inversionswetterlage war im Dezember 1952 für ein Ereignis in London verantwortlich, das als „The Great Smog“ in die Geschichte einging. Innerhalb weniger Tage starben mehrere Tausend Menschen an den Folgen der schadstoffbelasteten Nebelschwaden in der Stadt. Deshalb wurde der Nebel in einigen Medien damals auch als „Killersmog“ bezeichnet. Weit über 100.000 Menschen mussten in diesen Tagen wegen akuter Atemprobleme in den Krankenhäusern der britischen Metropole behandelt werden. Die komplette Erklärung für die hohen Todeszahlen während „The Great Smog“ gab es erst im Jahr 2016, als Forscher der A&M University in Texas einen Zusammenhang mit der Stickstoffdioxidkonzentration in der Luft herstellten.

Was machte den „Great Smog“ für den Menschen so gefährlich?

Die amerikanischen Wissenschaftler fanden heraus, dass die damals betriebenen Kohleöfen und Kamine sowie die Abgase der für London typischen Linienbusse einen großen Beitrag leisteten. Die Briten verwendeten zudem überwiegend minderwertige Braunkohle, die bei der Verbrennung große Mengen Schwefeldioxid freisetzte. Das reagiert wiederum mit Sauerstoff zu Schwefeltrioxid, aus dem in Verbindung mit Wasser Schwefelsäure entsteht. Genau dass passierte beim „großen Smog“ in London im Jahr 1952. Das heißt, die dort lebenden Menschen atmeten mit dem Nebel verdünnte Schwefelsäure ein und verätzten sich dabei die gesamten Atemwege. Der Nebel war zeitweise so dicht und enthielt so viel Ruß, dass selbst Fußgänger die Orientierung verloren. Er hielt sich über einen Zeitraum von vier Tagen.

Hauptursache war eine Inversionswetterlage

Der vertikale Temperaturgradient sorgt dafür, dass die Lufttemperatur mit steigender Höhe abnimmt. Doch es passiert mit steter Regelmäßigkeit, dass sich warme Luftmassen über eine kalte Luftschicht schieben. Dadurch wird die Ausrichtung des vertikalen Temperaturabfalls umgekehrt. Die Bezeichnung Inversionswetterlage leitet sich infolgedessen aus der lateinischen Vokabel „inversio“ für Umkehr ab. Die Durchmischung der einzelnen Luftschichten wird vom Aufsteigen der Warmluft initiiert. Eine solche physikalisch begründete Durchmischung findet bei einer Inversionswetterlage durch die unten befindliche Kaltluft nicht statt. In der Folge können sich auch Schadstoffe und Abgase nicht verteilen, sondern bleiben stattdessen standortstabil, was wiederum bei Inversionswetterlagen zu deutlich höheren Konzentrationen in Bodennähe führt. Solche Luftschichten können auf zwei Wegen entstehen, die von den Meteorologen Absinkinversion und Aufgleitinversion genannt werden.
Quelle: BBC, Universität Freiburg, DWD