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Sind Kraftstoffpreise in Deutschland höher als anderswo?

black modern car refueling with benzine on gas station

Vor Beginn der sommerlichen Hauptreisezeit spielen Kraftstoffpreise eine große Rolle. Wir haben sie sich entwickelt und was sind die Gründe?

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland ist der Meinung, dass die Kraftstoffpreise unangemessen hoch sind. Sie gehen davon aus, dass die staatlichen Maßnahmen zur Stützung der Diesel- und Benzinpreise ihre Wirkung verfehlt haben. Durch die temporär niedrigeren Energiesteuern hätte der Liter Benzin um 29,55 Cent und der Liter Diesel um 14,04 Cent günstiger werden müssen. Viele Verbraucher/-innen sind der Meinung, dass sich die Mineralölgesellschaften und Tankstellenbetreiber einen Teil der staatlichen Stützung der Kraftstoffpreise in die Tasche gesteckt haben.

Wie haben sich die Kraftstoffpreise im internationalen Vergleich entwickelt?

Nach den Erhebungen der europäischen Kartellbehörde rangierten die Kraftstoffpreise in Deutschland vor der Senkung der Energiesteuer im Vergleich mit den Nachbarländern beim Benzin auf Platz 3 und beim Diesel auf Platz 2. Für den Liter Diesel wurden nur die Kraftfahrer/-innen in Dänemark mit höheren Preisen belastet. Die Benzinpreise lagen in den Niederlanden sowie in Dänemark höher. Inzwischen hat sich die Rangliste der höchsten Kraftstoffpreise deutlich verändert. Das Statistische Bundesamt nimmt für einen zweiten Vergleich die durchschnittlichen Tagespreise vom 20. Juni 2022 her. An diesem Tag lagen beim Vergleich mit den angrenzenden Ländern die Benzin- und Dieselpreise lediglich in Luxemburg, Polen und Tschechien niedriger. Insgesamt war der Benzinpreis (Sorte E5) pro Liter in Deutschland am 20. Juni 2022 um 17 Cent geringer als Ende Mai. Beim Diesel wurde die Preisreduzierung durch die Steuersenkung von neuerlichen Preiserhöhungen vollständig kompensiert. Wer die Sommerferien in Schweden verbringen möchte, muss mit einem Dieselpreis von mehr als 2,50 Euro pro Liter rechnen.

Haben sich nur die Steuersenkungen auf die Kraftstoffpreise ausgewirkt?

Auch wenn es die Bundesregierung gern so interpretieren möchte, ist das nicht der Fall. Der Verdacht, dass die Mineralölgesellschaften zusätzliche Gewinne abschöpfen, liegt bei einem Blick auf die Entwicklung der Börsenpreise für Erdöl nahe. Unmittelbar vor der Reduzierung der Steuer lag der Preis für Brent-Erdöl bei mehr als 122 Dollar pro Barrel. Am 20.Juni 2022 lag er um 8 Dollar niedriger. WTI-Erdöl kostete Ende Mai um die 115 Dollar pro Barrel. Aktuell bewegt er sich um die 107 Dollar pro Barrel. Allerdings schlagen die Entwicklungen der Börsenpreise für Erdöl erst mit einer Verzögerung auf die Kraftstoffpreise durch. Das bedeutet, dass die Kraftstoffpreise allgemein in den nächsten Tagen theoretisch sinken müssten. Jedoch dürfte dieser Trend durch die saisonalen Schwankungen kaum spürbar sein. Die Mineralölgesellschaften und Tankstellenketten nutzen den Beginn der sommerlichen Schulferien und den Beginn der Hauptreisezeit jedes Jahr aus, um die Kraftstoffpreise kräftig zu erhöhen. Bis zum Ende nächster Woche beginnen die Schulferien in Deutschland in fünf Bundesländern.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Börse Frankfurt