Macht die Grippeimpfung in der Apotheke Sinn?

Wenn es nach dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht, soll die Grippeimpfung in der Apotheke auch in Deutschland bald kommen. Eine aktuelle Publikation der Hochschule Fresenius zeigt, welche Vorteile damit verbunden wären.

In einigen europäischen Ländern ist die Grippeimpfung in der Apotheke bereits möglich. Ein Pionier in dieser Hinsicht ist die Schweiz. In rund drei Vierteln aller Kantone dürfen die Apotheker die Grippeimpfung bereits direkt verabreichen. In einem weiteren Kanton ist die Immunisierung in der Apotheke mit Rezept möglich. Auch Frankreich hat diese Vorgehensweise bereits getestet. Der Startschuss fiel im Jahr 2017. Nach der erfolgreichen Testphase zuerst in zwei Regionen und ab 2018 in vier Regionen ist es ab 2019 in ganz Frankreich möglich, sich die Grippeimpfung in der Apotheke zu holen.

Welche Vorteile sieht die Hochschule Fresenius bei der Grippeimpfung in Apotheken?

Eine Konsequenz des Ärztemangels sind lange Wartezeiten in den Praxen. Das schreckt viele Menschen davon ab, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Mit der Grippeimpfung in der Apotheke könnten nicht nur die Hausärzte entlastet werden, sondern Professor Doktor Uwe May von Fresenius geht davon aus, dass sich dadurch die Impfrate um etwa 12 Prozent steigern lässt. Der Nutzen wäre enorm, denn pro Jahr käme es statistisch zu 41 Todesfällen weniger. Durch die Steigerung der Impfrate würden pro Jahr rund 900.000 Menschen weniger an der Grippe erkranken und 47.000 Patienten weniger mit einer echten Virusgrippe im Krankenhaus landen. Außerdem würde das den niedergelassenen Apotheken eine zusätzliche Einnahmequelle verschaffen und den Bestand sichern. Er ist vielerorts durch die Konkurrenz der Versandapotheken gefährdet.

Grippeimpfung in der Apotheke würde enormen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen

Sollte die von Professor Doktor Uwe May prognostizierte Steigerung der Impfrate zutreffen, fielen pro Jahr rund drei Millionen Krankheitstage weg. Der Volkswirtschaft blieben dadurch Aufwendungen in Höhe von etwa einer Milliarde Euro erspart. Jedoch zieht die Grippeimpfung in der Apotheke einen erhöhten Aufwand bei den Krankenkassen nach sich. Der Chef der Hochschule Fresenius beziffert ihn auf rund 340 Millionen Euro. Doch er rechnet sich durch die Einsparungen beispielsweise bei den Behandlungskosten für die Grippefälle und die Einsparungen beim Krankengeld. Die Prognosen der Hochschule Fresenius basieren auf den Zahlen, die nach der Einführung der Grippeimpfung in Apotheken beispielsweise in Irland und Kanada erhoben wurden.

Quelle: Hochschule Fresenius, impfapotheken.ch, Deutsche Apotheker Zeitung