KfW-Mittelstandspanel 2019: Wie ist die aktuelle Lage?

Über das KfW-Mittelstandspanel wird alljährlich der Stand in den kleinen und mittelständischen Unternehmen abgefragt. In diesem Jahr zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Branchen.

Die gute Nachricht vom KfW-Mittelstandspanel 2019 ist, dass der Mittelstand in Deutschland im Jahr 2018 ein Rekordjahr verzeichnete. Vor allem die Zahl der dort Beschäftigten hatte sich zuletzt kräftig erhöht. Insgesamt waren zum Jahresende 2018 bundesweit rund 31,7 Millionen Beschäftigte in mittelständischen Unternehmen angestellt. Den größten Beitrag zum Wachstum der Zahl der bereitgestellten Arbeitsplätze leistete die Dienstleistungsbranche, während im Bereich des verarbeitenden Gewerbes leicht rückläufige Zahlen gemeldet wurden.

Mittelstand ist und bleibt die tragende Säule der deutschen Wirtschaft

Das zeigt der Blick auf die längerfristige Entwicklung der Zahl der Jobs im Mittelstand. Im Jahr 2006 stellten die klein- und mittelständischen Unternehmen (KMUs) noch rund 26,2 Millionen Arbeitsplätze zur Verfügung. Das machte knapp 66 Prozent aller in Deutschland vorhandenen Jobs für abhängig Beschäftigte aus. Seither zeigt die Diagrammkurve steil nach oben. Im Jahr 2018 lag der Anteil der von KMUs bereitgestellten Jobs nach den Daten aus dem KFW-Mittelstandspanel bei 70,3 Prozent. Dieser Trend hält zumindest im Jahr 2019 trotz der Vorzeichen für eine Stagnation und ersten Hinweisen auf eine Rezession an. In der Umfrage der KfW gaben 17 Prozent der KMUs an, die Zahl der Arbeitsplätze im Jahr 2019 zu erhöhen. Auf der anderen Seite stehen 10 Prozent der Befragten, die Jobs abbauen wollen. Das dürfte zum Jahresende zu einem leichten Plus in der Bilanz der Arbeitsplätze führen.

KfW-Mittelstandspanel 2019 weist sinkende Zahl von Arbeitsstunden aus

Die Zahl der pro Jahr von einem Beschäftigten geleisteten Arbeitsstunden ist beim Vergleich der letzten drei Jahrzehnte deutlich gesunken. Im Jahr 1992 musste ein Beschäftigter im Schnitt noch 1.565 Stunden pro Jahr arbeiten. Bis zum Jahr 2005 sank die Stundenzahl kontinuierlich. Ein leichter Anstieg war im Jahr 2006 zu beobachten. Seit 2013 bewegt sich die jährliche Arbeitszeit pro Beschäftigen auf einem annähernd gleichen Niveau und liegt aktuell bei durchschnittlich 1.362 Stunden. Auffällig ist bei den KMUs, dass sich der Anteil der Vollzeitbeschäftigung erhöht hat.

Bedeutung von E-Commerce steigt in der deutschen Wirtschaft

Der per E-Commerce insgesamt von deutschen KMUs erzielte Umsatz lag 2018 bei rund 255 Milliarden Euro. Im Vergleich von 2016 zu 2018 stieg der Anteil der über digitale Vertriebskanäle erzielte Umsatz um rund 27 Prozent. In Deutschland nutzen das E-Commerce mittlerweile etwa 800.000 KMUs. Das macht einen Anteil von 21 Prozent aller deutschen KMUs aus. Die Bedeutung des E-Commerce als Vertriebskanal wird künftig weiter steigen. Das zeigt sich bei klein- und mittelständischen Unternehmen mit jungen Inhabern. Bei den Firmenchefs unter 40 Jahren kommen im Durchschnitt bereits rund 54 Prozent aller Umsätze aus dem Bereich E-Commerce.

Umsatzprognosen der KMUs fallen laut KfW-Mittelstandspanel durchwachsen aus

Der Anteil der KMUs, die im Vergleich zu 2018 im laufenden Jahr sowie in den kommenden beiden Jahren Umsatzeinbrüche erwarten, ist relativ gering. Die größten Befürchtungen angesichts der Anzeichen für eine Konjunkturschwäche haben mit 21 Prozent die Freiberufler. Im gesamten Mittelstand gehen 17 Prozent der Unternehmer von sinkenden Umsätzen aus. Interessant ist der Blick auf die Bauwirtschaft. Rund 19 Prozent der Bauunternehmer gaben bei den Befragungen für das KfW-Mittelstandspanel an, sinkende Umsätze zu erwarten. Das erscheint angesichts der in Deutschland herrschenden Wohnungsnot etwas unlogisch. Gute Zukunftsaussichten sehen dagegen 43 Prozent der befragten Händler sowie Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit einem hohen Anteil an Forschung und Entwicklung. Ebenso interessant ist ein Blick auf die Umsatzerwartungen unter Berücksichtigung des Alters der Unternehmen. Junge Unternehmen sehen die Zukunft eher positiv, während nur 25 Prozent der Unternehmen steigende Umsätze erwarten, die schon länger als 20 Jahre bestehen.

Quelle: KfW Mittelstandspanel 2019