Kann bei Zöliakie-Verdacht auf Magenspiegelung verzichtet werden?

Diese These stellen jetzt jedenfalls Forscher aus München auf. Die Wissenschaftler rund um Sibylle Koletzko, die Leiterin der Kindergastroenterologie am Dr. von Haunerschen Kinderspital am Uniklinikum München haben sich mit der Thematik beschäftigt. Grundlage der Studie war die Ausgangslage, dass eine Gluten-Unverträglichkeit bei Kindern immer noch mit einer Magenspiegelung (Gastroskopie) diagnostiziert wird. Gleichzeitig muss eine Gewebeprobe entnommen werden. Die Prozedur gilt als unangenehm und wird zudem unter Narkose und mit dem damit verbundenen Risiko durchgeführt.

Magenspiegelung bei Zöliakie-Verdacht in der Hälfte der Fälle unnötig

In ihrer Studie haben die Forscher jetzt herausgefunden, dass in fast der Hälfte der Fälle eine gesicherte Diagnose auch ohne Magenspiegelung erfolgen kann. Das geht aus dem Artikel in der Fachzeitschrift „Gastroenterology“ hervor.

Insgesamt leiden rund ein Prozent der Kinder und Jugendlichen an einer Gluten-Unverträglichkeit. Die Zöliakie macht sich vor allem beim Genuss von Produkten aus Weizen, Gerste, Roggen oder anderen Getreidesorten bemerkbar. Sie enthalten das Klebereiweiß Gluten, welches bei Betroffenen eine Reaktion des Immunsystems auslöst.

Dadurch entsteht eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Die Diagnose Zöliakie gestaltet sich jedoch als schwierig, weil die Symptome so stark variieren. Sie reichen von klassischen Verdauungsproblemen über Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen und Verstopfung bis hin zu Blutarmut und einem verminderten Wachstum. Damit Patienten mit einer Zöliakie ein möglichst gutes Leben haben können, müssen sie lebenslang auf alle Speisen mit Gluten verzichten.

Warum der Verzicht auf die Magenspiegelung bei Gluten-Unverträglichkeit Sinn macht

Die Magenspiegelung samt Gewebeentnahme ist für den Nachwuchs wenig erstrebenswert. Kinder müssen den ganzen Tag in der Klinik bleiben, wie Koletzko erklärte. Das geht mit Ängsten, Nöten und Unannehmlichkeiten gerade für Kinder einher. Durch den Verzicht auf die Magenspiegelung könnte man es ihnen einfacher machen.

Gleichzeitig könnten deutliche Kosteneinsparungen im Gesundheitssystem realisiert werden. Die teuren, genetischen Untersuchungen, die bisher durchgeführt wurden, sind für den Nachwuchs ebenfalls nicht mehr nötig. Die genauen Auslöser für die Gluten-Unverträglichkeit sind zwar bis heute nicht bekannt, allerdings sind sich die Forscher einig, dass die Erkrankung erblich bedingt ist.

Können Bluttests Gluten-Unverträglichkeit nachweisen?

Laut Koletzko und ihren Kollegen könnten spezielle Bluttests eine gesicherte Diagnose bei Zöliakie mit sich bringen. Sie sammelten die Daten, Labor- und Gewebeproben aus 33 Kliniken und 21 Ländern von mehr als 700 Kindern und Jugendlichen, die Zöliakie-Auto-Antikörper aufwiesen. Diese Abwehrstoffe werden von den Immunzellen gebildet und richten sich gegen das eigene Gewebe, so dass die Entzündung im Darm ausgelöst wird.

Mit Hilfe dieser Daten konnten Koletzko und ihre Kollegen nachweisen, dass Bluttests bei spezifischen Beschwerden deutliche Ergebnisse gebracht hatten. Natürlich könne man nicht gänzlich auf die Magenspiegelung verzichten. Wenn die Bluttests etwa nicht eindeutig genug ausfallen, muss die Magenspiegelung auch weiterhin durchgeführt werden.

Unklar bleibt indes auch, ob die Bluttests bei Erwachsenen ausreichen oder bei Kindern, die keine offensichtlichen Symptome zeigen. Hierzu seien weitere Studien notwendig. Im Zusammenhang mit den aktuellen Studienergebnissen erklärte Koletzko weiter, dass man die Gluten-Unverträglichkeit nicht mit dem derzeitigen Trend der Gluten-Sensitivität verwechseln dürfe. Bei diesem verzichten Menschen ganz bewusst auf Gluten, obwohl es nicht nötig wäre. Sie halten die glutenfreie Ernährung für gesünder, was aber so nicht stimmt, da wichtige Nährstoffe, etwa aus Vollkornprodukten, fehlen.

Quelle: dpa