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Inflation drückt Kaufkraft – Einzelhandel mit Einbußen

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Die steigenden Verbraucherpreise machen sich auch im Einzelhandel bemerkbar: Denn die Konsumlaune der Deutschen ist deutlich eingebrochen. So hat der Handel im ersten Halbjahr preisbereinigt gut neun Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahr, selbst der Onlinehandel ging zurück.

Man spricht bereits vom größten Umsatzeinbruch seit 1994. Ukrainekrieg, Coronakrise und Inflation machen den Händlern das Leben schwer. Preisbereinigt betrugt der Umsatzeinbruch 8,8 Prozent, wie jetzt das Statistische Bundesamt mitteilte.

Größter Umsatzeinbruch seit 1994

Damit ist der größte Umsatzeinbruch seit Beginn der Zeitreihe 1994 erzielt worden. Nicht preisbereinigt sank der Umsatz dagegen nur um 0,8 Prozent. Die Statistiker erklärten den gravierenden Unterschied mit den hohen Preissteigerungen, die damit widergespiegelt würden.

Verbraucher sind laut einer aktuellen Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) bei Einkäufen und Anschaffungen so zurückhaltend wie schon lange nicht mehr. Als Hauptgrund dafür sehen Experten die Unsicherheiten um die künftige Energiepreisentwicklung. Zudem haben sich die eigenen Einkommenserwartungen im Vergleich zum Vormonat verschlechtert. Das gibt dann auch weniger Spielraum für Konsumaktivitäten oder den Ausbau von Ersparnissen.

Ökonomen gehen von anhaltend schwierigen Zeiten für den Einzelhandel aus. So sprach Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG von einer „miserablen Konsumlaune“ der Verbraucher, die mit „gravierenden Realeinkommensverlusten“ kämpfen. Die Gasumlage werde die Konsumwünsche noch in diesem Jahr beschneiden. Krüger geht daher davon aus, dass „der Tiefpunkt beim Konsum“ erst noch kommt.

Auch der HDE geht für die nächsten drei Monate von einer schwachen Konsumstimmung aus. Dabei beruft er sich auf seine Umfrage in Form eines Indexwerts im Konsumbarometer. Dieser Wert ist Anfang August auf unter 87 gefallen und erreichte damit ein Allzeittief. Zudem rechnet die Branche noch mindestens bis 2023 mit Lieferproblemen.

Umsatzrückgang auch im Monatsvergleich

Doch nicht nur im Jahresvergleich, sondern auch direkt mit dem Vormonat verglichen, verzeichnete der Handel Umsatzeinbußen. Inflationsbereinigt sanken die Umsätze im Juni um 1,6 Prozent im Vergleich zum Mai. Das fanden selbst Ökonomen überraschend, die doch mit einem leichten Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet hatten. 1,6 Prozent weniger gaben die Verbraucher übrigens für Lebensmittel aus.

Dieser Rückgang lässt sich vor allem auf die gestiegenen Lebensmittelpreise zurückführen, sind sich die Statistiker sicher. Doch auch im Handel mit Textilien, Bekleidung, Lederwaren und Schuhen konnte der positive Trend sich im bisherigen Jahresverlauf nicht fortsetzen. Im Juni sank der Umsatz hier um 5,4 Prozent.

Selbst der Onlinehandel, der insbesondere während der Coronakrise geboomt hatte, erhält derzeit einen Dämpfer. Verglichen mit dem Juni 2021 sanken hier die Umsätze sogar um 15,1 Prozent – das ist das stärkste Minus seit 28 Jahren.

Quelle: Reuters