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Hapag-Lloyd Cruises – Klimafreundliche Kreuzfahrten?

Klimawandel und Klimaschutz – das sind die beiden derzeit am häufigsten verwendeten Begriffe in öffentlichen Debatten. Vor allem Kreuzfahrtschiffe kommen bei dieser Debatte besonders schlecht weg. Dem will Hapag-Lloyd Cruises nun entgegenwirken und ab dem kommenden Sommer auf Schweröl als Kraftstoff verzichten.

Dadurch könne man die Umwelt mit deutlich weniger Schwefeloxid belasten, heißt es in der Erklärung. Schweröl soll dabei für keines der Kreuzfahrtschiffe von Hapag-Lloyd Cruises mehr als Treibstoff verwendet werden. Die Reederei hatte schon Anfang 2019 bekannt gegeben, die Expeditionsschiffe schrittweise umzustellen. Ab Juli will man auch die beiden Luxuskreuzfahrtschiffe „Europa“ und „Europa 2“ mit Marine-Gasöl betreiben.

80 Prozent weniger Schwefel

Die Kreuzfahrtschiffe kommen in der aktuellen Klimadebatte per se nicht gut weg. Umweltschützer kritisieren vor allem das Schweröl als besonders umweltschädlichen Kraftstoff. Es entsteht als Abfallprodukt bei der Erdölverarbeitung.

Künftig soll es durch Marine-Gasöl ersetzt werden. Dessen Schwefelanteil liegt bei weniger als 0,1 Prozent. Laut Hapag-Lloyd Cruises könne man damit die Schwefelemissionen um über 80 Prozent reduzieren. Bei Feinstaub und Ruß könne man Einsparungen von rund 30 Prozent erreichen.

Genau das sehen Umweltschützer aber weiterhin kritisch. Man werde mit dem Umstieg von Schweröl auf Marine-Gasöl lediglich die Schwefeloxide los. Die verpestete Luft durch Feinstaub und Co. bleibt aber bestehen, so Daniel Rieger, der Leiter Verkehrspolitik beim Nabu-Bundesverband. Aus diesem Grund fordert der Nabu Partikelfilter an Bord aller Kreuzfahrtschiffe.

Man räumte aber auch ein, dass Hapag-Lloyd Cruises zumindest auf einigen Schiffen schon Stickoxidfilter einsetze, so etwa bei der „Europa 2“. Allerdings ist deren Betrieb derzeit noch nicht problemlos möglich. Bei der Nutzung von Schweröl ist die Rußentwicklung „so groß, dass die Abgastechnik nicht funktioniert“, so Rieger. Wenn man jedoch Marinediesel verwenden würde, könnte man Partikelfilter einsetzen.

Er sieht die Entscheidung von Hapag-Lloyd Cruises als wichtigen und richtigen Schritt an. Man müsse das Schweröl unbedingt von den Weltmeeren verbannen.

Schwefelemissionen werden ab 2020 strenger reglementiert

Allerdings gelten ab 2020 ohnehin strengere Regeln in Bezug auf Schwefelemissionen bei Schiffen. So wird der Grenzwert auf 0,5 Prozent abgesenkt. Trotzdem dürfen Schiffe mit Abgasreinigungsanlagen, die auch als Scrubber bekannt sind, weiterhin mit Schweröl mit einem Schwefelgehalt bis zu 3,5 Prozent fahren.

Das Marine-Gasöl, das Hapag-Lloyd Cruises künftig einsetzen will, hat allerdings auch einen Nachteil: Es ist deutlich teurer als Schweröl. Der Geschäftsführer Karl J. Pojer spricht von „massiven Kosten“. Da aber die Routen samt verbindlicher Preise zwei Jahre im Voraus geplant würden, stünden zunächst keine Preisanpassungen an.

Nabu veröffentlichte Kreuzfahrtschiff-Ranking

Erst vor wenigen Wochen hat der Naturschutzbund Nabu sein Kreuzfahrt-Ranking veröffentlicht. Die ersten Plätze belegten Schiffe mit LNG-Antrieb. Auf Platz zwei landeten Schiffe, die Stickoxidkatalysatoren einsetzen, wie die „Europa 2“ oder die Schiffe von TUI-Cruises. Zu ihnen gesellten sich ebenso Schiffe, die auf Schweröl ganz oder teilweise verzichten, also die Flotte von Hapag-Lloyd Cruises oder Ponant.

Quelle: dpa