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Fast 40 Prozent deutscher Lehrkräfte arbeiten nur noch Teilzeit

Male school teacher standing in an elementary school classroom with a group of school children

Generell liegt die Teilzeitquote in der deutschen Wirtschaft mit 30 Prozent sehr hoch. Bei den Lehrkräften des Landes steigt sie sogar auf fast 40 Prozent. Unterschiede zeigen sich, wie so oft, zwischen Männern und Frauen.

Insgesamt arbeiten in Deutschland 702.000 Lehrerinnen und Lehrer an deutschen Schulen. Im Schuljahr 2020/2021 haben fast 40 Prozent von ihnen in Teilzeit gearbeitet. Zuletzt war die Teilzeitquote 2011 mit 39 Prozent annähernd so hoch, wie das Statistische Bundesamt jetzt in Wiesbaden mitteilen. Allerdings sind die geschlechterspezifischen Unterschiede überdeutlich: Während fast jede zweite Lehrerin (47 Prozent) in Teilzeit arbeitet, ist das nur bei knapp jedem fünften Lehrer (19 Prozent) der Fall. In der gesamtdeutschen Wirtschaft liegt die Teilzeitquote mit 30 Prozent ebenfalls sehr hoch.

Lehrer und Lehrerinnen überlastet

Gegenüber dem „Spiegel“ berichtete eine Lehrerin, dass sie und ihre Kolleginnen seit den Lockdowns komplett ausgepowert seien. Sie sprach von einer „unerträglichen Arbeitsbelastung“. Das sei mit ein Grund dafür, warum gerade viele Kolleginnen nur noch in Teilzeit arbeiteten – selbst die ganz jungen.

Insgesamt waren im Schuljahr 2020/2021 37 Prozent der Lehrkräfte in Deutschland 50 Jahre und älter, lediglich sieben Prozent waren noch unter 30. Das könnte auch zum Fachkräftemangel auf diesem Sektor führen. Zwar haben sich in den letzten Jahren immer mehr junge Menschen für ein Studium auf Lehramt entschieden und im Wintersemester 2020/2021 stieg die Zahl der Studierenden in diesem Bereich auf den höchsten Wert seit 25 Jahren. Allerdings fiel die Zahl der Studienanfänger im ersten Semester des Studienjahres 2021/2022 um satte 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

750.000 Schulanfänger im Schuljahr 2020/2021

Im Schuljahr 2020/2021 starteten gut 750.000 Kinder ihre Schulkarriere. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler sank im Zehnjahresvergleich demografisch bedingt um rund fünf Prozent. Die Zahl der Lehrkräfte stieg um vier Prozent. Die Klassengrößen sind in den letzten Jahren um ein bis zwei Kinder geschrumpft, heißt es vom Statistischen Bundesamt weiter.

Dennoch herrscht schon jetzt teils akuter Lehrkräftemangel. Daher überlegt die Regierung in Baden-Württemberg bereits, die Klassengrößen wieder aufzustocken. Bis 2035 werden nach Prognosen der Kultusministerkonferenz (KMK) an deutschen Schulen rund 24.000 Lehrkräfte fehlen. Klaus Klemm, Bildungsforscher aus Essen, der sich seit über 40 Jahren mit dem Thema beschäftigt, spricht bei diesen Zahlen jedoch von „Schönfärberei“. So blickten die Minister viel zu optimistisch auf die Zahl der Uni-Absolventen. Klemm selbst hält eine Lücke von bis zu 80.000 Lehrkräften für realistisch.

Quelle: AFP