Durchschnittlich 1.831 Euro monatlich – wenn Pflege zu teuer wird

Dass es in Deutschland einen Pflegenotstand gibt, ist hinlänglich bekannt. Da sind einerseits zu wenige Fachkräfte, die bereit sind, sich an sieben Tagen in der Woche Tag und Nacht um die Pflegebedürftigen zu kümmern, was auch an den oft viel zu geringen Einkommen liegt. Da gibt es Heime, die aufgrund des Fachkräftemangels schließen müssen und da sind andererseits immense Kosten für die Pflege, die eben nicht von der Pflegeversicherung getragen werden.

Eine Umfrage der Privaten Krankenversicherung hat jetzt ergeben, dass es immer teurer wird, sich in einem Heim pflegen zu lassen. Aktuell beträgt der Eigenanteil der Pflegebedürftigen über 1.000 Euro, wobei die Kosten je nach Bundesland stark variieren. Durchschnittlich mussten Pflegebedürftige im Juni 2018 1.831 Euro Eigenanteil für die stationäre Pflege aufbringen. Im Mai 2017 lag der Satz noch bei 1.697 Euro. Binnen Jahresfrist haben sich so die Eigenanteile um satte acht Prozent erhöht.

NRW ist teures Pflege-Pflaster

Besonders teuer ist die Pflege der aktuellen Umfrage zufolge in Nordrhein-Westfalen. Im Durchschnitt zahlen Pflegebedürftige für ihren Heimplatz 2.326 Euro monatlich. Auf Platz zwei folgt das Saarland mit 2.247 Euro, den dritten Platz teilen sich Baden-Württemberg und die Hauptstadt Berlin mit 2.098 Euro.

In Sachsen-Anhalt zahlen Heimbewohner dagegen „nur“ 1.205 und in Sachsen sogar „nur“ 1.201 Euro für den Heimplatz. Im Vergleich zu NRW ist das fast die Hälfte. Experten sehen als einen der Hauptgründe für die Unterschiede die hohen Personalkostenunterschiede. Sie machen rund 80 Prozent des Heimbudgets aus, wie die „Frankfurter Rundschau“ berichtet. Daher sei es auch auf Jahressicht zu solch drastischen Preissteigerungen gekommen. Die PKV hat für ihre aktuelle Erhebung die Daten von 11.000 der bundesweit 13.000 Heime zugrunde gelegt.

Pflegeheim können sich immer mehr Menschen nicht mehr leisten

Kritik an den Zahlen kommt auch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Gut die Hälfte der Pflegebedürftigen in Deutschland kann sich die Heimunterbringung aus eigener finanzieller Kraft nicht mehr leisten. Sie werden abhängig von der Sozialhilfe.

Stiftungsvorstand Eugen Brysch forderte vor diesem Hintergrund: „Es ist Zeit, dass die Pflegeversicherung endlich wieder die gesamten Pflegekosten zahlt“. Die durchschnittliche Rente in Deutschland liegt bei 1.300 Euro, ein Betrag, der in NRW etwa nicht einmal die Hälfte der Zuzahlung deckt und selbst in Sachsen nur für die Unterbringung und Verpflegung ausreicht.

Quelle: AFP