Deutscher Schäferhund – krank gezüchtet?

Dass der Deutsche Schäferhund besonders anfällig für bestimmte Erkrankungen, wie die Hüftgelenksdysplasie ist, ist allgemein bekannt. Auch andere Probleme mit dem Bewegungsapparat, wie eine Überwinkelung der Hinterhand, treten beim Deutschen Schäferhund vermehrt auf. Trotzdem wollten die Forscher um Dan O’Neill vom Royal Veterinary College es genauer wissen und haben jetzt eine Studie durchgeführt, die aufzeigen sollte, wegen welcher Beschwerden der Deutsche Schäferhund am häufigsten zum Tierarzt muss.

Die häufigsten Erkrankungen des Deutschen Schäferhundes

Wie die Forscher aus dem englischen Hatfield jetzt im Fachblatt „Canine Genetics und Epidemiology“ erklärten, sei der Deutsche Schäferhund immer noch eine der beliebtesten Hunderassen weltweit für den Einsatz bei Polizei und Militär, als Blinden-, Hüte- und Wachhund. Dennoch haben sich die Zuchtkriterien für die Rasse im Laufe der Jahrzehnte verändert und das nicht unbedingt zum gesundheitlichen Vorteil der Tiere.

Für ihre Untersuchung haben die Forscher die Akten von 430 Tierarztpraxen aus dem Jahr 2013 ausgewertet. Insgesamt konnte man so auf eine Zahl von 12.000 behandelten Deutschen Schäferhunden kommen. Wenn die Tiere eingeschläfert werden mussten, waren die Hauptursachen Störungen im Bewegungsapparat. Sie wurden in 16 Prozent der Fälle angegeben. Auf Platz zwei mit 15 Prozent lag die Unfähigkeit, sich noch selbst auf den Beinen zu halten. Mit 14,5 Prozent waren Tumore ebenfalls sehr häufige Erkrankungen und Wirbelsäulenprobleme folgten direkt dahinter mit 14 Prozent. Allerdings gab es in 19 Prozent der 272 Fälle mit Einschläferung auch keine genaueren Angaben. Im Durchschnitt wurden die untersuchten Deutschen Schäferhunde mit 10,3 Jahren eingeschläfert.

Bei den generellen Gründen für einen Tierarztbesuch standen Entzündungen am Außenohr mit acht Prozent ganz weit oben auf der Liste. Platz zwei belegten mit 5,5 Prozent Arthrose-Erkrankungen und auf Platz drei landeten mit 5,2 Prozent Durchfall und Übergewicht. Aggressivität sorgte in 4,8 Prozent der Fälle für einen Tierarztbesuch.

Laut Angaben von O’Neill sind Deutsche Schäferhunde nach den Dänischen Doggen die Rasse, die die zweithäufigste Anzahl von Erkrankungen durch Überzüchtung aufweist.

Wie sich der Deutsche Schäferhund entwickelte

Zunächst wurden die Deutschen Schäferhunde mit mittlerer Größe als Hütehund gezüchtet, etwa ab Ende des 19. Jahrhunderts. Später sollten die Tiere auch Aufgaben als Wachhunde und Polizeihunde übernehmen und wurden immer größer gezüchtet. In den letzten Jahrzehnten ging es zunehmend um das Aussehen, welches für Hundeschauen von Bedeutung war. Eine immer stärker nach hinten abfallende Rückenlinie wurde zum Schönheitsideal. Die Forscher erklären, dass sich der Schäferhund vom Leistungshund zum Heimtier entwickelt habe. Demnach seien äußere Merkmale zunehmend wichtiger geworden und dies habe zu einer verstärkten Anfälligkeit gegenüber Erberkrankungen geführt. Sarkome, Probleme mit der Bauchspeicheldrüse und die Hüftdysplasien sind dabei die häufigsten heute bekannten Erkrankungen beim Deutschen Schäferhund.

Beliebtheit Deutscher Schäferhunde sinkt

Zudem hat die Rasse vielerorts an Beliebtheit eingebüßt, zeigen die Forscher auf. Bei den registrierten Tieren in Großbritannien sank ihr Anteil von 4,5 Prozent im Jahr 2007 auf 3,4 Prozent 2016. In Australien sank der Anteil von 6,6 Prozent 2000 auf 5,0 Prozent in 2016. In den USA dagegen wird der Deutsche Schäferhund zunehmend beliebter. War die Rasse 2003 noch die vierthäufigste Rasse, entwickelte sie sich 2013 zur zweitbeliebtesten Rasse.

Auch Heinrich Meßler, Präsident der Weltunion für Deutsche Schäferhunde zweifelt nicht an den Aussagen der aktuellen Studie. Allerdings könne diese die Lage in Deutschland nur bedingt widerspiegeln. So gelten in den USA und Großbritannien andere Regularien für das Aussehen der Tiere. Allerdings haben sich deutsche Züchter auch ein Beispiel an diesen genommen, was schlussendlich zur heute geläufigen Übertypisierung geführt habe. Die anatomischen Folgen, wie die Überwinkelung der Hinterhand, sind die Folge und ein echtes Problem.

Außerdem wird die Zucht nur in geschlossenen Populationen durchgeführt. So war der Genpool eher klein und es entstanden genetische Probleme, wie etwa die Anfälligkeit für Entzündungen am Außenohr. Künftig sollen Züchtern deshalb Tests zur Abschätzung der genetischen Variabilität der Tiere angeboten werden.

Meßler erklärte weiter, dass der Deutsche Schäferhund nicht per se anfälliger für Erkrankungen als andere große Hunde sei. Auch dass die Beliebtheit der Rasse sinke, stimme so nicht. Zwar sinkt die Nachfrage nach Deutschen Schäferhunden in Mitteleuropa, Skandinavien und Großbritannien, dafür sei in den USA, in China und Indien eine steigende Nachfrage zu beobachten.

Quelle: dpa