Büßt das Zentrum von Leipzig das Karstadt-Kaufhaus ein?

Für die Mitarbeiter von Karstadt in Leipzig war es eine erschreckende Botschaft, als sie am Gründonnerstag erfuhren, dass die Filiale eventuell Ende März 2019 geschlossen werden muss. Der Grund sind überhöhte Mietforderungen des neuen Eigentümers des Gebäudes, in welchem sich die Karstadt-Filiale in der City Leipzig befindet.

Dass viele Gebäudeeigentümer mehr Gewinne aus der aktuellen Lage auf dem Immobilienmarkt ziehen möchten, ist verständlich. Allerdings kann die Forderung der Eigentümer, in welcher sich das Karstadt-Kaufhaus Leipzig befindet, nur als unverschämt bezeichnet werden. Er verlangt nach den Angaben der Karstadt-Führung gegenüber der Redaktion der „Leipziger Volkszeitung“ satte 68 Prozent mehr Miete. Der neue Eigentümer soll nach den Informationen der Redaktion eine in Luxemburg beheimatete Tochterfirma von Even Capital mit Sitz in der Schweiz sein.

Karstadt Leipzig will sich nicht so schnell geschlagen geben

Das Kaufhaus in der Leipziger City hat bereits eine mehr als ein Jahrhundert umfassende Geschichte. In der Filiale am Neumarkt sind derzeit rund 300 Mitarbeiter angestellt. Sollte der neue Eigentümer kein neues Angebot vorlegen, muss die Filiale geschlossen werden. Eine drastische Verkleinerung der Fläche zur Vermeidung höherer Mieten kommt für die Karstadt-Führung nicht in Frage. Sie bezeichneten einen solchen Weg wörtlich als „Ende auf Raten“. Das ist einem Brief zu entnehmen, den am 5. April 2018 an die Mitarbeiter verteilt wurde. Nun wurden die Leipziger um Mithilfe gebeten. Offenbar hofft die Karstadt-Führung auf die Gründung einer Bürgerinitiative zur Erhaltung des Kaufhauses, welches zu DDR-Zeiten durch die HO betrieben wurde.

Wäre die Miterhöhung bei Karstadt angemessen?

Karstadt selbst gibt an, dass für die Filiale in Leipzig längst eine markgerechte Miete bezahlt wird, die nicht unter dem Durchschnitt vergleichbarer Objekte in den Zentren anderer deutscher Metropolen liegt. Eine drastische Mieterhöhung hatten die Kaufhausbetreiber bereits im Jahr 2006 kompensieren müssen. Nach einem Verkauf an eine Fondsgesellschaft aus der Schweiz im Jahr 2002 war das Objekt umfangreich saniert worden, wobei Gesamtkosten in Höhe von 200 Millionen Euro anfielen. Danach stieg die Miete für das Kaufhaus auf über elf Millionen Euro pro Jahr. Das lag beim Doppelten der zu diesem Zeitpunkt üblichen Marktpreise. Für Karstadt war diese Summe zu hoch, sodass im Jahr 2009 ein Insolvenzantrag gestellt werden musste. Eine Wiederholung einer solchen Situation wollen die Karstadt-Betreiber vermeiden und kündigten deshalb vorsorglich ihren Mitarbeitern die Möglichkeit einer Schließung im Frühjahr 2019 an.

Quelle: LVZ