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Binnenschiffe bereiten Umweltschützern erhebliche Sorgenfalten

Weltkugel mit Baum

Bei den hohen Werten der Wiederaufbereitung von Materialien mischen Binnenschiffe in Deutschland noch nicht im wünschenswerten Ausmaßt mit. Das belegen aktuelle Zahlen.

Die Thematik der Binnenschiffe stellen Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen in den Mittelpunkt einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung. Inzwischen liegt die Antwort vor. Sie zeigt gleich zwei vorhandene Schwerpunkte auf. Schiffseigner haben Probleme, bei der Endverwertung alter Schiffe in Deutschland einen geeigneten Entsorger zu finden. Das ist doppelt brisant, denn der zweite Schwerpunkt ist ein sehr hohes Durchschnittsalter der aktuell genutzten Flotte.

Wie verteilt sich das Durchschnittsalter der Binnenschiffe?

Momentan haben 512 Binnenschiffe mehr als sieben Jahrzehnte auf dem Kiel. Wer bei diesen alten Schiffen lediglich die historischen und erhaltenswerten Ausflugsdampfer vor Augen hat, begeht einen fatalen Irrtum. 305 über 70 Jahre alte Schiffe sind als Transportschiffe in Betrieb. Der Bärenanteil entfällt mit 249 Exemplaren auf die Gattung der Trockenfrachtschiffe. Doch ein Fakt ist mit Blick auf die Sicherheit und das vorhandene Risiko von Umwelt- und Gewässerschäden noch brisanter. Unter den Uraltexemplaren der Binnenschiffe befinden sich auch 27 Tankschiffe mit eigenem Antrieb. Sie sind auch in der Gruppe der 60 bis 69 Jahre alten Binnenschiffe mit 51 Exemplaren sowie bei den 50 bis 59 Jahre alten Tankern mit 53 Binnenschiffen stark vertreten. Die meisten Güterschubleichter ohne Antrieb und Steuerhaus bringen es auf ein Alter von 30 bis 39 Jahren. Aber auch in dieser Sparte sind 138 Schiffe älter als ein halbes Jahrhundert.

Das Abwracken ist für Schiffseigner ein echtes Problem

Eine Zahl in der Antwort der Bundesregierung ist besonders erschreckend. In ganz Deutschland gibt es nach den dortigen Angaben lediglich eine einzige Werft, die sich neben dem Schiffsneubau auch auf das Abwracken der außer Dienst gestellten Binnenschiffe spezialisiert hat. Das heißt, die Mehrheit der zu entsorgenden Schiffe wandert nebst den darin enthaltenen (und zu einem großen Teil recycelbaren) Materialien ins Ausland. Das waren allein im Jahr 2018 stolze 21.000 Tonnen. Dabei wäre die Schaffung zusätzlicher Abwrackressourcen in Deutschland mit Blick auf die ausgemusterten Binnenschiffe durchaus interessant. Immerhin wurden allein im Jahr 2017 insgesamt 18 Schiffe und im Jahr 2018 sogar 34 Schiffe aus dem Schiffregister mit der Begründung des Abwrackens ausgetragen. 2019 waren es 18 Schiffe und für das Jahr 2020 zeichnet sich eine deutlich höhere Zahl ab. Die Bundesregierung sieht nach ihrer Antwort keine Notwendigkeit, regulierend in den Markt der Abwrackkapazitäten einzugreifen, da die deutschen Werften über die technischen Voraussetzungen sowohl für den Schiffsneubau als auch für Schiffsreparaturen und die Zerlegung für eine fachgerechte Entsorgung und Wiederaufbereitung der Materialien verfügen.

Quelle: Deutscher Bundestag Drucksache 19/22284