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Wohnungsnot in Deutschland: Studie gibt Auskunft

Wie groß ist die viel zitierte Wohnungsnot in Deutschland? Dieser Frage geht jetzt eine aktuelle Untersuchung nach und sie zeigt: Nicht überall herrscht Wohnraummangel.

1,5 Millionen neue Wohnungen sollen im Laufe der aktuellen Legislaturperiode entstehen – das ist das Ziel der Bundesregierung. Wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervorgeht, stagnierte die Zahl der fertig gestellten Wohnungen 2018 bei etwa 285.000. Das sind nahezu genauso viele oder wenige Wohnungen wie schon 2017. Allerdings hätten mindestens 375.000 neue Wohnungen entstehen müssen, wenn das Ziel der Regierung erreicht werden soll. Jetzt hat eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sich mit dem Thema beschäftigt.

Zu wenig Wohnungsbau in Großstädten

Dabei zeigt sich: Vor allem in den großen Metropolen werden zu wenige Wohnungen gebaut. In Köln etwa ist der Bedarf an Neubauwohnungen seit 2016 nicht einmal zur Hälfte gedeckt worden. Dabei haben die Studienautoren die Zahl der Wohnungen, die in den letzten drei Jahren fertiggestellt wurden mit dem Bedarf verglichen. Letzteren haben sie auf Basis verschiedener Faktoren, wie Leerstand und Bevölkerungsentwicklung, geschätzt.

Ähnliche Bilder ergaben sich in anderen Großstädten. So wurden in Stuttgart etwa 56 Prozent der benötigten Wohnungen gebaut, in München waren es 67 Prozent, in Berlin 73 und in Frankfurt am Main 78 Prozent.

Warum wird zu wenig gebaut?

Aus der Untersuchung geht außerdem hervor, dass in den Großstädten nicht nur aktuell Wohnungen fehlen, sondern die Bautätigkeiten auch längerfristig weiter gesteigert werden müssen. Ebenso zeigte sich eine zu geringe Bautätigkeit in vielen Universitätsstädten, wie etwa Münster. Gründe dafür hat die Studie auch gleich parat: ein starker Zuzug in die Städte, zu wenig Personal in den Bauämtern, zu strenge Vorschriften und nicht zuletzt der Fachkräftemangel, der auch in der Bauwirtschaft herrscht.

Die Städte müssen daher viele Anstrengungen unternehmen, um die Mietenentwicklung zu bremsen. Vor allem in den Metropolen sehen die Studienautoren noch einiges an Potenzial. So müsse auf jeden Fall mehr Bauland zur Verfügung gestellt werden, um mehr Investoren anzulocken. Außerdem sollten alte Gebäude häufiger umgebaut werden, anstatt neue zu errichten. Zudem könnte es helfen, wenn der Bund und das Land die Städte, die finanziell ohnehin angeschlagen sind, wie etwa Köln, stärker unterstützen. Hier könnte man vor allem den Ausbau des Nahverkehrs vorantreiben, so dass es attraktiver würde, im Umland zu leben. Das wiederum würde den Druck auf den innerstädtischen Wohnungsmarkt reduzieren.

Zu viel Wohnungsbau in ländlichen Regionen

Während in den Metropolen zu wenige Wohnungen gebaut werden, sind es auf dem Land zu viele. In Sachsen, Sachsen-Anhalt, in den Randgebieten Bayerns und im Saarland etwa entstehen viele Neubauten, obwohl es ebenfalls viele Leerstände gibt. Dabei sei das absolut kontraproduktiv: Denn wenn Neubaugebiete vor den Türen von Kleinstädten entstehen, dann verlieren die Stadtzentren an Bedeutung. Dort verschärft sich das Leerstand-Problem dann sogar noch weiter.

Auf dem Land sollte man daher laut Studie eher dem Motto „Umbau vor Neubau“ folgen. In fast jedem dritten Kreis in Deutschland sollte man sogar den Neubau stoppen bzw. ausbremsen. Nur so könne ein Überangebot vermieden werden.

Quelle: dpa