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Wird 2021 ein Jahr mit hoher Scheidungsquote?

Schriftzug Statistik

Über mehr als ein Jahrzehnt war die Scheidungsquote in Deutschland leicht rückläufig. Trägt die Coronakrise nun zu einer Trendwende bei?

Seit dem Jahr 2002 verzeichneten die Rechtsanwälte und Richter eine kontinuierliche Reduzierung der Zahl scheidungswilliger Paare. Im Jahr 2019 gab es im Vergleich zum Vorjahr nach den Angaben des Statistischen Bundesamts erstmals wieder eine Steigerung um 0,6 Prozent. Die Zahlen für das Jahr 2020 liegen noch nicht vor. Doch es ist davon auszugehen, dass die Diagrammkurve durch die Auswirkungen der Coronakrise noch steiler nach oben zeigt.

Warum wirkt sich die Coronakrise auf die Scheidungsquote aus?

Um genauere Informationen zu bekommen, müsste man in die Akten vom Familienrechtskanzleien wie beispielsweise www.kanzleifrank.com schauen können. Doch das ist aus Datenschutzgründen nicht möglich. Bis dahin sind Daten hilfreich, die vom amerikanischen National Center for Biotechnology Information (kurz NCBI) erhoben wurden. Danach machen finanzielle Probleme bei rund 36 Prozent aller Scheidungen den Hauptgrund aus. Vordergründig geht es dabei um unterschiedliche Auffassungen zur Verwendung der vorhandenen Gelder. Durch die umfangreichen Lockdowns hat sich die wirtschaftliche Lage vieler Familien drastisch verschlechtert. Dadurch kommen solche Differenzen deutlicher zum Tragen.

Häusliche Gewalt gehört zu den Hauptgründen für Scheidungen

Gewalt in einer Partnerschaft ist nach den NCBI-Daten der Grund für ein Viertel aller Ehescheidungen. Es liegen bereits Warnungen von verschiedenen Stellen vor, dass die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt während der Corona-Lockdowns signifikant angestiegen ist. Ursache ist das zwangsweise Zusammenleben auf engstem Raum unter stressigen Bedingungen (durch Homeschooling und Homeoffice) und ohne die Möglichkeit, sich beispielsweise durch einen Besuch bei Freunden oder verschiedene Freizeitaktivitäten temporär aus dem Weg zu gehen. Bei häuslicher Gewalt ist schnelle Hilfe besonders wichtig. Der Gesetzgeber hat im deutschen Familienrecht die Möglichkeit einer sogenannten Härtefallscheidung geschaffen. Betroffene können sich direkt an die Polizei wenden. Die Beamten sind dazu befugt, den Tätern oder Täterinnen einen Platzverweis zu erteilen. Droht eine Wiederholung der Gewalt, sollten sich Betroffene sofort an einen Fachanwalt wenden, um im Wege einer einstweiligen Verfügung ein Kontaktverbot nach den Paragrafen 1 und 2 des Gewaltschutzgesetzes zu erwirken.

Was sind die Top 3 der häufigsten Scheidungsgründe?

Rund drei Viertel aller Ehen werden nach den NCBI-Daten geschieden, weil sich die Partner/innen nicht mehr ausreichend füreinander einsetzen. Dafür kommt eine Vielzahl von Ursachen in Frage. Dazu gehört auch der Zeitmangel, der während der Corona-Lockdowns allein schon dadurch entsteht, dass die Kinder wegen Schul- und Kitaschließungen durchgängig daheim betreut werden müssen. Dadurch wirken sich ohnehin vorhandene Differenzen bei der Erziehung deutlich stärker aus. Auf den Plätzen 2 und 3 landen Untreue, Eifersucht sowie dauernder „Kleinkrieg“ bei der Lösung von Alltagsproblemen.

Coronakrise forciert mehrere für Scheidungen verantwortliche Faktoren

In der Regel findet sich bei Ehescheidungen nicht nur ein Grund, sondern es ist eine Kumulation verschiedener Arten von Differenzen festzustellen. Durch die Folgen der Lockdowns in der Coronakrise sind viele Menschen stärker frustriert als sonst und deswegen leichter reizbar. Das reduziert wiederum die Bereitschaft und Fähigkeit, in sachlichen Diskussionen gemeinsam eine Lösung oder einen Kompromiss zu finden. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich die Scheidungsquote in Deutschland im Jahr 2021 signifikant erhöht. Die während der ersten Lockdowns 2020 begonnen Trennungsjahre wirken sich erst im Verlaufe des Jahres 2021 bei der Zahl der eingereichten Scheidungsklagen aus. Eine Schätzung des Umfangs ist derzeit noch nicht auf einer verlässlichen Datenbasis möglich.

Quelle: NCBI, Hilfe-Hotlines, Polizei-Statistiken, destatis, Gewaltschutzgesetz