Wieviel Prozent aller jemals existierenden Tierarten sind ausgestorben?

Wer sich als Kandidat bei „Wer wird Millionär?“ bewirbt, sollte nicht nur ein gutes Allgemeinwissen haben, sondern auch die aktuellen Nachrichten verfolgen. Das stellte das Muttertagsspecial 2019 unter Beweis.

Hätten das die Kandidatinnen alle getan, wäre die Beantwortung einer Frage nicht schwer gewesen. Die Redaktion stellte folgende Frage: „Wissenschaftler gehen davon aus, dass circa 99 Prozent aller jemals auf der Erde existierenden Tierarten A) Dinosaurier waren, B) ausgestorben sind, C) mit Kiemen atmeten oder D) fliegen konnten?“ Die Kandidatin konnte sich nicht entscheiden und brach ab. Nach ihrer wahrscheinlichsten Antwort gefragt, gab sie Antwort C an. Hätte sie die Nachrichten verfolgt, hätte sie gewusst, dass Antwort B richtig gewesen wäre. Das geht aus einem erst kürzlich von IPBES vorgelegten Bericht zum Artensterben hervor.

Das Aussterben der Tierarten setzt sich weiter fort

Der IPBES-Bericht geht davon aus, dass noch im 21. Jahrhundert bis zu einer weiteren Million Tierarten aussterben könnten. Insgesamt macht das rund fünf Prozent aller auf der Erde lebenden Tierarten aus. Zu diesen massiven Einschnitten bei der Entwicklung der Biodiversität der Erde kommen nach dem aktuellen Forschungsstand auch dann, wenn der Mensch die globale Erwärmung bei einem Plus von zwei Grad Celsius im Vergleich mit der Zeit vor der Industrialisierung stoppen kann. Ein Blick auf die Daten des letzten Jahrhunderts zeigt, dass vom Artensterben bisher hauptsächlich Amphibien und Säugetiere betroffen waren. Aber auch bei den Fischen und Reptilien steigt die Aussterberate rasant an. Die aktuelle Lage an den großen Korallenriffen zeigt sehr deutlich, dass die düsteren Prognosen des IPBES-Berichts durchaus zutreffend sind. Sie gehen davon aus, dass bei einer weiteren Erhöhung der Wassertemperatur der Ozeane schon bald 99 Prozent der weltweit vorhanden Korallenbestände verschwinden. Plastikabfälle in den Ozeanen gefährden derzeit den Bestand von mehr als 260 Tierarten. Von den für 2020 beschlossenen Zielen zum Artenschutz kann die Mehrheit nicht erreicht werden. Das zeichnet sich bereits sehr deutlich ab.

Der Mensch nimmt sich selbst die Existenzgrundlage

Wenn nicht ganz schnell sämtliche umweltpolitischen und klimaschutzpolitischen Ziele realisiert werden, ist sogar der Fortbestand der Menschheit bedroht. Auch das belegen die erschreckenden Zahlen des IPBES-Berichts zum Artensterben. Inzwischen fehlen auf dem Planeten bereits neun Prozent aller Nutztierrassen. Die Überfischung der Meere rottet Fischarten aus, von denen sich der Mensch ernährt. Der Nahrungsmittelkette des Menschen drohen Gefahren durch das Artensterben auch von anderer Stelle. Vielerorts sind die Bestände bei den Insektenarten massiv geschrumpft, die für die Bestäubung der Blüten notwendig sind. Dazu hat vor allem der intensive Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft beigetragen. Bereits ein knappes Viertel der Oberfläche der Erde ist so geschädigt, dass die Flächen für die Landwirtschaft gar nicht mehr genutzt werden können. Dabei weist der Flächenbedarf in der Landwirtschaft ein immenses Wachstum auf. Der Flächenverbrauch hat sich von 1970 bis heute um 45 Prozent erhöht. Dieser Trend wird sich allein schon durch Biomassekraftwerke und die steigende Nachfrage nach Biotreibstoffen massiv verstärken.

Kurz gesagt: Beim Umweltschutz und Klimaschutz ist es nicht 5 Minuten vor 12, sondern die tickende Uhr zeigt bereits 1 Minute vor 12. Beim Erreichen der Klimaschutzziele ist schnelles und konsequentes Handeln erforderlich. Dabei sind die Regierungen aller Staaten der Erde und jeder einzelne Mensch gefragt.

Quelle: IPBES, RTL