Wie lassen sich Gesundheitsgefahren beim Hausbau/Renovierung vermeiden?

Ein wirklich gesundes Haus im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Stattdessen sind die allermeisten Baustoffe mit schädlichen Stoffen versehen, die die eigene Gesundheit beeinträchtigen können. Dies gilt insbesondere in Neubauten, die nach gesetzlichen Vorgaben mit einer luftdichten Gebäudehülle versehen sein müssen. Dadurch können schädliche Stoffe nicht mehr nach außen entweichen. Besonders häufig finden sich im Neubau oder nach Renovierungen übrigens folgende Probleme, die auch die Gesundheit beeinträchtigen können:

  • Feuchtigkeit,
  • flüchtige organische Verbindungen
  • schwere flüchtige Hilfsstoffe
  • Elektrosmog
  • ionisierende Strahlung

Wie wirkt sich Feuchtigkeit im Haus auf die Gesundheit aus?

Feuchtigkeit im Haus kann die Gesundheit massiv beeinflussen. Sie begünstigt das Wachstum von mikrobiologischen Organismen. Sie können beispielsweise den Kunstharzkleber im Parkettboden abbauen, wenn das Parkett auf einem noch zu feuchten Estrich verlegt wurde. Um dieses Problem zu vermeiden, ist, wie so oft, das richtige Lüften entscheidend. Ebenfalls kann Feuchtigkeit im Haus das Wachstum von Schimmelpilzen begünstigen, die nachweislich die Gesundheit schädigen.

Moderne Lüftungsanlagen sollten ebenfalls kritisch bewertet werden. Zwar helfen sie beim Energiesparen, müssen aber hygienisch einwandfrei geplant und auch regelmäßig gewartet werden. Andernfalls können sie schnell zur Keimschleuder werden und die Gesundheit ebenfalls beeinträchtigen. Die Regeln für die Planung und den Betrieb von Lüftungsanlagen sind in der VDI-Richtlinie 6022, Blatt 1 festgelegt.

Wann treten flüchtige organische Verbindungen auf?

Flüchtige organische Verbindungen werden im Englischen auch als volatile organic compounds, kurz VCOs, bezeichnet. Sie werden insbesondere von flüssigen Baustoffen abgegeben. Typische Beispiele sind Kleber, Dichtmasse, Farben und Lacke. Wenn diese Baustoffe aushärten und trocknen, geben sie die VCOs in die Raumluft ab. Daneben können auch Teppiche, Linoleum und Holz VCOs abgeben. Die Belastung sinkt, je länger die Baustoffe im Haus verbaut sind. Abhängig ist die Zeitspanne von verschiedenen Faktoren. Dazu zählen die Emissionen des jeweiligen Baustoffs und das Verhältnis zwischen verbauter Oberfläche und Raumvolumen.

Deshalb raten Experten dazu, wenigstens 30 Tage zwischen Bauende und Einzug ins neue Haus verstreichen zu lassen, damit die meisten Emissionen bereits abgegeben wurden. Eine Ausnahme gilt bei formaldehydhaltigen Bindemitteln in Holzwerkstoffen. Deren Emissionen nehmen auch nach Jahren nicht ab. Daher sollte beim Bau auf streng geprüfte Lösemittel geachtet werden. Sie lassen sich an Prüfzeichen, wie dem Emicode EC1, dem Blauen Engel oder natureplus, erkennen.

Was sind schwere, flüchtige Hilfsstoffe?

Unter den schweren, flüchtigen Hilfsstoffen versteht man Stoffe, die sich über eine lange Zeit hinweg in der Raumluft anreichern können. Sie legen sich auch im Hausstaub nieder und können dadurch wiederum in den menschlichen Körper gelangen. Die Hilfsstoffe sollte man beim Hausbau generell vermeiden. Sie sind unter anderem in Kunststofftapeten und Teppichbelägen, in Bioziden, Weichmachern und Flammschutzmitteln enthalten. Damit treten sie oft in Möbeln und Werkstoffen auf, in denen man sie nicht vermuten würde. Deshalb sind auch hier Produkte mit entsprechenden Gütezeichen empfehlenswert. So zeigt der Blaue Engel an, dass auf derartige Hilfsstoffe komplett verzichtet wurde. Die Gütezeichen GuT und natureplus setzen zumindest strenge Grenzwerte fest.

Wie wirkt sich Elektrosmog aus?

Elektrosmog ist nichts anderes als nichtionisierende Strahlung. Hierbei unterscheiden Experten in die hoch- und niedrigfrequente Strahlung. Die niedrigfrequente, elektrische und magnetische Strahlung entsteht in der Regel über die Energieversorgung. Durch geschickte Planung beim Hausbau lässt sich der Elektrosmog reduzieren.

Die hochfrequente Strahlung entsteht dagegen bei drahtlosen Übertragungen, etwa von Rundfunk, Fernsehen, Internet und Mobilfunk. Inwieweit Elektrosmog tatsächlich schädlich für die Gesundheit ist, bleibt aber selbst in Fachkreisen umstritten.

Was ist die ionisierende Strahlung?

Bleibt noch die ionisierende Strahlung. Hierzu gehört das radioaktive, chemische Element Radon. Es entsteht aus dem Radium, welches im Erdreich und im Urgestein enthalten ist. Gelangt es an die Erdoberfläche, zerfällt es zu Radon. Das gasförmige Element sammelt sich in der Regel im Erdreich an und kann von dort in den Keller eindringen.

Mittlerweile steht Radon im Verdacht, sieben Prozent aller Lungenkrebserkrankungen in Deutschland zu verursachen. Daher sieht auch der Gesetzgeber vor, dass bei Neu- und Umbauten von Kellern in Regionen mit hoher Radonaktivität, entsprechende Sicherheitsmaßnahmen eingeplant werden.

Quelle: Verband privater Bauherren