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Welche Folgen hat der Green Deal der Europäischen Union?

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Wie wirken sich die Auflagen und die im Green Deal der EU zusammengefassten umweltpolitischen politischen Ziele auf den Lebensmittelmarkt aus? US-Forscher zeichnen ein erschreckendes Bild.

Es gibt Befürchtungen, dass der Green Deal der EU gravierende Auswirkungen auf die zukünftigen Preise für Lebensmittel haben könnte. Bei einer drastischen Verteuerung landwirtschaftlicher Produkte wäre die Versorgungssicherheit für einkommensschwache Gruppen in vielen Ländern nicht mehr garantiert. Darauf wiesen Angeordnete der FDP-Bundestagsfraktion in einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung hin. Inzwischen liegt die dazugehörige Antwort vor. Sie gleicht insgesamt einem Beschwichtigungsversuch.

Welche Forderungen beinhaltet der Green Deal der Europäischen Union?

Nach dem Green Deal der EU sollen bis zum Jahr 2030 etwa 20 Prozent weniger Düngemittel als bisher eingesetzt werden. Auf rund einem Viertel aller landwirtschaftlichen Flächen sollen EU-weit die Richtlinien der ökologischen Bewirtschaftung Anwendung finden. Außerdem sieht der Green Deal der EU vor, die Mengen der eingesetzten Antibiotika in der Tierhaltung und der Pflanzenschutzmittel beim Ackerbau im Vergleich zum bisherigen Durchschnitt bis zum Jahr 2030 zu halbieren. Es ist unbestritten, dass diese Maßnahmen zum Schutz der Umwelt unumgänglich sind. Der massenhafte Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung gefährdet letztlich den Menschen, da er sie beim Verzehr des Fleisches mit aufnimmt. Auch das Risiko der Ausprägung von Resistenzen ist nicht zu unterschätzen. Viele Pflanzenschutzmittel schädigen nützliche Insekten. Von den Düngemitteln gehen Gefahren für Gewässer und deren Bewohner aus. Sie fördern eine überschießende Algenblüte, die wiederum das Wasser eintrübt, für eine schnellere Erwärmung sorgt und so den globalen Klimawandel forciert. Dennoch dürfen einige andere Konsequenzen nicht unbeachtet bleiben, wie die FDP-Abgeordneten in ihrer Kleinen Anfrage betonten.

Wie schätzen US-Forscher die Auswirkungen ein?

Diese Einschätzungen sind einer Studie im Auftrag des amerikanischen Department of Agriculture (Landwirtschaftsministerium, kurz USDA) zu entnehmen. Die daran beteiligten Experten befürchten einen Einbruch der landwirtschaftlichen Erträge von rund 12 Prozent in den Ländern der Europäischen Union. Gleichzeitig gehen sie von einer allein durch den Green Deal bedingten und 17 Prozent umfassenden Steigerung der Preise für landwirtschaftliche Produkte bis zum Jahr 2030 aus. Gleichzeitig nehmen sie einen Rückgang der Exporte von 20 Prozent aus der EU in andere Länder an. Sollten sich die Grenzwerte des Green Deals weltweit durchsetzen, müssen Verbraucher mit einer Preissteigerung von 53 Prozent rechnen. Pro Kopf und Jahr würden die Lebensmittelkosten bei einer ausschließlich EU-weiten Anwendung um durchschnittlich 153 US-Dollar und bei einer weltweiten Anwendung um 602 US-Dollar steigen.

Wie positioniert sich die Bundesregierung zu den Ergebnissen der Studie?

In ihrer Antwort gibt die Bundesregierung an, dass in die Bewertung der Folgen des Green Deals der EU weitere Faktoren einbezogen werden müssen. Vor allem verweist sie darauf, dass nach ihrer Einschätzung die Preissteigerungen von den Marktanalysten des US-Landwirtschaftsministeriums viel zu hoch angesetzt worden wären. Eine weitere Kritik richtet sich auf die fehlende Berücksichtigung einer teilweisen Kompensation der Ertragsausfälle durch eine gleichzeitige Minderung der Lebensmittelverluste. Gemeint sind damit einerseits Verluste durch Transport- und Lagerung sowie andererseits infolge einer nicht optimalen Bevorratung der Einzelhändler und Verbraucher. Außerdem fließen nach Auffassung der Bundesregierung die erzielbaren Vorteile durch die Verminderung von Umwelt- und Gesundheitsrisiken durch den teilweisen Wegfall von Pflanzenschutzmitteln, Düngemitteln und Antibiotika in die wirtschaftliche Bewertung nicht ausreichend ein. Insbesondere kritisiert die Bundesregierung die von der USDA-Studie prognostizierten Rückgänge bei der Weizenernte und Ölsaatenernte. Sie verweist auf Versuchsreihen in Deutschland, die deutlich geringere Ernteverluste bei einer Reduzierung der Düngemittel- und Pflanzenschutzmittelmengen belegen.

Quelle: Deutscher Bundestag Drucksache 19/26312, US Department of Agriculture