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Singvögel durch Verlust ihrer Stimmkultur bedroht

Weltkugel mit Baum

Die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten der Singvögel wird immer länger. Nun warnen Forscher aus Australien vor einer neuen Gefahr.

Bei der Erhaltung ihrer Art durch Fortpflanzung sind die Singvögel auf direkte Kontakte zu Artgenossen des anderen Geschlechts angewiesen. Sie erkennen und finden sich hauptsächlich durch ihren spezifischen Gesang. Eine in Australien durchgeführte Studie weist nun auf zusätzliche Bedrohung der Singvogelarten durch Verluste der Liedkultur hin.

Wie umfangreich ist der Liedkulturverlust der Singvögel?

Die von der Royal Society veröffentlichten Studie beschäftigten sich die Ornithologen mit einem Vertreter der Gattung Honigfresser. Bei mehr als einem Viertel der Männchen (27 Prozent) stellten sie fest, dass deren Gesang nicht mehr den für die Regentenhonigfresser typischen Melodien folgte. Jeder zehnte männliche Vogel kennt den Gesang der eigenen Art gar nicht mehr, sondern ahmt stattdessen die Eigenheiten des Gesangs anderer Vogelarten nach. Eine Folge dessen ist, dass deutlich weniger erfolgreiche Paarungen stattfinden, was wiederum die Dezimierung der ohnehin vom Aussterben bedrohten Singvogelart zusätzlich beschleunigt. Die australischen Forscher machten als Ursache das Fehlen von Vorbildern aus, von denen die jungen Regentenhonigfresser den typischen Gesang lernen können.

Wissenswerte Fakten rund um die Honigfresser

Einige Subtypen der Honigfresser haben ein eng begrenztes Verbreitungsgebiet und sind allein schon deshalb einer besonderen Gefährdung ausgesetzt. Ein Beispiel dafür ist der Chatham-Glockenhonigfresser. Er war nur auf den namensgebenden Chatham-Inseln heimisch und gilt seit dem frühen 20. Jahrhundert als ausgestorben. Honigfresser gehören zur Gruppe der Nektarvögel, weil sie sich vom Blütennektar und von Blütenpollen als Ergänzung zu Insekten, Raupen und Beeren ernähren. Einige Pflanzen sind auf die Honigfresser als Helfer bei der Blütenbestäubung angewiesen. Das heißt, wenn diese Singvogelart ausstirbt, sind auch solche Pflanzenarten in der Flora der Erde nicht mehr anzutreffen. Andererseits gibt es Hoffnung, denn einige Vogelarten erschließen sich neue Lebensräume. So konnte beispielsweise unlängst nachgewiesen werden, dass der indische Skimmer neuerdings auch in Bangladesch unterwegs ist.

Ist der Verlust der Gesangskultur auch für Singvögel in Deutschland bedeutsam?

Zwar liegen dazu noch keine Studien vor, aber die reine Logik legt ähnliche Gefahren für einige in Deutschland beheimateten Arten der Singvögel nahe. Welche Arten davon betroffen sein könnten, zeigt ein Blick in die Rote Liste der bedrohten Tierarten. Nur noch bei knapp der Hälfte aller bewerteten Vogelarten gibt es derzeit noch keine aktuellen Bedrohungen. Die Liste der vom Aussterben bedrohten oder stark gefährdeten Vogelarten ist dagegen sehr lang. Dazu zählen beispielsweise der Seggenrohrsänger, der Flußuferläufer, die Feldlerche, die Sumpfohreule, der Zitronenzeisig, mehrere Arten der Regenpfeifer und Seeschwalben, der Wachtelkönig und der Weißrückenspecht. Auch der Ruf des Kuckucks erschallt in Deutschland immer seltener, weshalb er bereits auf der Vorwarnliste gelandet ist.

Quelle: The Royal Society, Rote Liste, BirdLife