Schweinefleischverbot in zwei Leipziger Kitas vorerst aufgehoben

Die Nachricht über das Schweinefleischverbot in zwei Leipziger Kindertagesstätten hatte für einigen Wirbel gesorgt. Aufgrund des massiven Drucks der Öffentlichkeit nahmen die Betreiber die Entscheidung nun zurück.

Das Schweinefleischverbot in zwei Leipzige Kitas hatte auch für Drohungen gegenüber den Betreibern der betroffenen Einrichtungen gesorgt. Deshalb entschloss sich die Polizeidirektion Leipzig dazu, die beiden benachbarten Einrichtungen vorsorglich von Streifenbeamten bewachen zu lassen. Der Chef der beiden Einrichtungen (Wolfgang Schäfer) gab am Abend des 24. Juli 2019 bekannt, dass das Schweinefleischverbot vorerst außer Kraft gesetzt wird. Ganz vom Tisch ist das Thema damit allerdings nicht. Der Kita-Chef kündigte an, diese Frage mit dem Beginn des neuen Kindergartenjahres mit allen Eltern zu diskutieren.

Betreiber der Kitas hatten nicht mit einer derartigen Reaktion gerechnet

In der öffentlichen Erklärung des Kita-Chefs gegenüber der Nachrichtenagentur DPA heißt es, die Kita-Leitung hätte die Zustimmung der Mehrheit der Eltern gehabt. Ob das allerdings so stimmt, ist eine andere Frage. Die von der Redaktion Leipziger Volkszeitung im Online-Artikel geschaltete Umfrage bringt ein anderes Bild. Dort gaben nur 23 Prozent der mittlerweile fast 5.000 Probanden an, eine derart weitreichende Rücksicht auf religiöse Beschränkungen bei der Ernährung in den Kindereinrichtungen zu wollen. 73 Prozent der Umfrageteilnehmer sprechen sich klar dagegen aus und 4 Prozent der Probanden ist es egal, ob solche Rücksichten genommen werden oder nicht.

Kritik richtet sich vor allem gegen die Verhältnismäßigkeit der Entscheidung

Eine besondere Rolle spielen bei der Debatte um Schweinefleisch in der Kita die Relationen. In den beiden Kitas werden rund 300 Kinder betreut. Darunter befinden sich gerade einmal zwei kleine Mädchen, die aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch essen können. Für sie sollte sich in derart großen Einrichtungen eine Lösung finden lassen, die für die überwiegend Mehrheit der dort betreuten Kinder keinen Verzicht bedeutet. Das ist lediglich eine Frage der Organisation. Da der Kita-Chef von einer Änderung der „Essensbestellungen“ spricht, scheinen beide Einrichtungen das Essen aus einer Großküche zu beziehen. Die einfachste Lösung wäre es deshalb, den Eltern rechtzeitig einen Speiseplan auszuhändigen und sie einzeln entscheiden zu lassen, was ihre Kinder essen sollen und was nicht. Damit hätte die Kita-Leitung die gesamte Debatte in der Öffentlichkeit und die Drohungen komplett vermeiden können.

Schweinefleischverbot der Leipziger Kitas rief Politiker auf den Plan

Die der CDU angehörende Bundeskanzlerin Angela Merkel ist klar für Rücksichten auf die Gepflogenheiten der Einwanderer. Aber die Vorgehensweise des Leipziger Kita-Chefs ging auch für CDU-Politiker deutlich zu weit. Der Generalsekretär der Landes-CDU Sachsen (Alexander Dierks) bezeichnete die Entscheidung des Kita-Chefs wörtlich als inakzeptabel. Natürlich war das auch für die AfD ein Grund, sich zu Wort zu melden. Beatrix von Storch verwendete die wörtliche Bezeichnung „kulturelle Unterwerfung“. Auch sie brachte als Hauptargument die Verhältnismäßigkeit. Die konkreten Relationen in den beiden Leipziger Kitas waren außerdem für die Bundesernährungsministerin Julia Klöckner ein Anlass für harsche Kritik.

Quelle: LVZ, dpa