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Schulstart in ersten Bundesländern steht bevor: Probleme absehbar

Male school teacher standing in an elementary school classroom with a group of school children

Es verbleibt gerade noch eine knappe Woche, bis im ersten deutschen Bundesland der Schulstart nach den Sommerferien ansteht. Viele Lehrer, Direktoren und Eltern machen sich deshalb Sorgen.

Die ersten Kinder erleben den Schulstart 2020 in Mecklenburg-Vorpommern. Dort findet der erste Schultag nach den Sommerferien am 3. August 2020 statt. Am 6. August 2020 geht es in Hamburg wieder los. Am 10. August 2020 öffnen die Schulen in Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein ihre Pforten. Nach den Plänen der Regierung soll es ein Regelbetrieb werden, doch gibt es jetzt schon massive Zweifel an der Machbarkeit.

Schulstart stellt alle Beteiligten vor Interessenskonflikte

Ein Fakt hat aktuell die größte Bedeutung. Die Bildung der Kinder darf unter den Folgen der Coronakrise nicht leiden. Doch es ist momentan sehr schwierig, das Recht auf Bildung mit Blick auf die vom Coronavirus ausgehenden Gefahren zu realisieren. Kindern sind nicht nur durch die Erkrankung selbst gefährdet. Schon seit einiger Zeit warnen Experten vor den psychischen Folgen der Einschränkungen des Schulbetriebs und den dadurch fehlenden sozialen Kontakten. Deshalb fordern inzwischen auch Kinder- und Jugendärzte eine schnelle Rückkehr zum regulären Schulbetrieb unter Einhaltung von Regeln zum Schutz vor einer Ansteckung. Doch der Lehrerverband warnt. Auf der anderen Seite stehen die Lehrer, die sich aufgrund ihres Alters zu den Risikogruppen für schwere Verläufe von COVID-19 zählen. Sie machen in Deutschland mit etwa einem Fünftel einen erheblichen Anteil aller bundesweit tätigen Lehrer aus.

Coronaschutzregeln bei regulärem Schulbetrieb oft nicht umsetzbar

Zu den Schutzregeln gehört das Lernen in festen Gruppen, um ein klassenübergreifendes Ansteckungsgeschehen zu vermeiden. In den Grundschulen ist das durchaus machbar, aber in den oberen Klassenstufen der Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien stößt die Umsetzbarkeit an Grenzen. Durch die unterschiedliche Wahl von Schwerpunktfächern wechseln die Zusammensetzungen der Lerngruppen. Um das zu vermeiden, wäre eine Aufstockung der Zahl der Fachlehrer erforderlich.
Zudem gibt es harte Kritik an der Überlegung, die Abstandsregeln zu Gunsten eines regulären Schulbetriebs für die Schüler aufzuheben. Vor allem die Vertreter der Lehrergewerkschaft (GEW) laufen Sturm gegen solche Pläne. In den Schulen dürfen keine Ausnahmezonen von den für den gesamten Alltag geltenden Abstandsregeln geschaffen werden. Diese Meinung vertritt auch die Führungsspitze des Deutschen Lehrerverbands. Vor diesen Problemen hatten sie bereits während der Diskussion über die Schulöffnungen vor dem Beginn der Sommerferien gewarnt.

Welchen Standpunkt beziehen Elternvertretungen zum Schulstart 2020?

Die Vertreter des Bundeselternrates und der Landeselternräte blicken ebenfalls mit Besorgnis auf den Beginn des neuen Schuljahres inmitten der Coronakrise. Sie verweisen darauf, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu weiteren Coronafällen an Schulen und in der Folge zu Quarantäneanordnungen und punktuellen Schulschließungen kommen wird. Elternvertretungen kritisieren die mangelhafte Vorbereitung auf ein solches Szenario. Der Bundeselternrat fordert deshalb eine Überarbeitung der Lehrpläne auf der Ebene der Bundesländer. Die dortigen Kultusministerien sollen dabei alle Themen auflisten, auf deren Vermittlung bei neuerlichen Schulschließungen in den einzelnen Jahrgängen verzichtet werden kann. Außerdem sollen sich die Schulen vorsorglich auf einen Mix aus regulärem Schulbetrieb und digitalem Unterricht einstellen. Deshalb fordern die Elternvertretungen eine schnelle Verteilung der für die Digitalisierung der Schulen vorgesehenen Fördergelder.

Quelle: dpa