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Mindestlohn wird oftmals nicht gezahlt

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Die SPD kämpft in der Großen Koalition für höhere Mindestlöhne. Dabei werden schon die bestehenden Mindestvergütungen in vielen Fällen nicht gezahlt.

Insgesamt will die SPD auf einen flächendeckenden Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde kommen, auch wenn dieses Ziel noch in weiter Ferne liegt. Dabei werden schon die jetzt geltenden Lohnuntergrenzen von aktuell 9,35 Euro pro Stunde in vielen Fällen nicht gezahlt.

DIW-Studie deckt auf: Millionen Arbeiter ohne Mindestlohn

Wie aus einer aktuellen Studie des Deutschen Wirtschaftsinstituts (DIW) hervorgeht, könnten alleine 2018 bis zu 3,8 Millionen Arbeitnehmer die ihnen zustehenden Mindestlöhne nicht erhalten haben. Die Forscher aus Berlin haben Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) ausgewertet. Dafür werden jährlich rund 16.000 Haushalte befragt.

750.000 Beschäftigte sollen in der Umfrage angegeben haben, in ihrem Hauptjob weniger als 8,84 Euro pro Stunde verdient zu haben. Das war der in 2018 geltende Mindestlohn. Dabei hat man das Mindestlohngesetz bereits 2014 eingeführt. Ab dem

Die SPD forciert jetzt Pläne, nach denen eine verbindliche Lohnuntergrenze von zwölf Euro pro Stunde gelten soll. Damit will man nicht nur für ein Auskommen mit dem Einkommen sorgen, sondern auch für ausreichend hohe Rentenansprüche der Bürger. Kritik an den Plänen kommt von Arbeitgeberverbänden. Sie sehen die Forderungen als Eingriff in die Tarifvertragsautonomie an.

Monatsgehalt sorgt für unklare Aussagen

Problematisch ist laut „Handelsblatt“, dass in vielen Arbeitsverträgen nur Monatsverdienste ausgewiesen werden. Die Forscher haben daher das vereinbarte Monatsentgelt mit der Arbeitszeit verglichen, die im Arbeitsvertrag festgelegt war. Laut dieser Untersuchung bekamen 2,4 Millionen Beschäftigte weniger als den Mindestlohn. In früheren Schätzungen ging der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) von rund 1,8 bis 2,2 Millionen Beschäftigten aus, die um die Lohnuntergrenze betrogen würden.

Wenn man die Monatsgehälter mit den tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden vergleicht, kommt man sogar auf 3,8 Millionen Arbeitnehmer, deren Lohn unterhalb des Mindestlohns lag, wie es in dem Bericht weiter hieß. Deshalb machen sich die Forscher auch für eine möglichst präzise Arbeitszeiterfassung stark.

Schon früher hatten Gewerkschaften kritisiert, dass viele Arbeitgeber die Mitarbeiter länger arbeiten lassen, als vertraglich vereinbart. Dadurch werde der Mindestlohn unterlaufen, hieß es weiter. Ein Ausweg ist nur durch eine genaue Arbeitszeiterfassung möglich, die in einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) bereits 2019 gefordert wurde.

Quelle: apr