Lotusseide gehört zu den teuersten Stoffen der Welt

Seide zählt sich in allen Varianten zu den begehrtesten Naturfasern. Doch ein Vertreter ist besonders wertvoll. Dabei handelt es sich um die Lotusseide, die heute für die Herstellung von Luxusbekleidung zum Einsatz kommt. Früher war dieser Stoff den Königen und den hochrangigen religiösen Vertretern vorbehalten.

Die Seidenherstellung hat schon mehrere Jahrtausende Tradition. Das gilt auch für die Lotusseide, die alternativ Wasserseide genannt wird. Der Legende zufolge soll Lakshmi, eine indische Göttin, den Menschen die Gewinnung dieser wertvollen Faser beigebracht haben. Die ersten Erwähnungen finden sich in den überlieferten Dokumenten des Geschichtsschreibers Florus aus dem Jahr 120.

Warum ist Lotusseide so wertvoll?

Wer sich ein Sakko nach Maß aus der Wasserseide zulegen möchte, sollte einen Kaufpreis von bis zu 7.000 Dollar einplanen. Dafür bekommen die Käufer ein Naturmaterial, das ähnliche Eigenschaften wie die für moderne Sportkleidung verwendeten Kunstfasern mitbringt. Es ist feuchtigkeitsresistent, atmungsaktiv und zugleich sehr leicht. Im Gegensatz zu anderen Seidenarten knittert Lotusseide nicht. Der hohe Preis ist durch den enormen Aufwand bei der Gewinnung gerechtfertigt. Die Fasern müssen per Hand aus den Stängeln der Lotusblume gewonnen und wegen ihrer Empfindlichkeit ebenso manuell zu Garn versponnen werden. Während des Verspinnens werden die Lotusfasern mit Reisstärke vermischt, damit sie bei der weiteren Verarbeitung nicht brechen. Der bekannteste europäische Anbieter von Bekleidung aus Lotusseide ist das in Italien beheimatete Modehaus Loro Piana. Allerdings sollten sich die Kunden auf Wartezeiten einstellen, denn pro Monat werden nur rund ein Dutzend der wertvollen Sakkos nach Maß angeboten.

Wo wird die meiste Lotusseide gewonnen?

Das Haupterntegebiet für die Lotusseide ist der Inle-See in Myanmar. Er landet mit rund 12.000 Hektar Wasseroberfläche auf der Liste der größten Seen des Landes auf dem zweiten Rang. Er gilt auch ohne die Seidenspinnereien als eine touristische Attraktion. Dafür sorgen die im wahrsten Sinne des Wortes schwimmenden Dörfer. Sie ruhen auf Bambuspfählen und sind so groß, dass dort sogar Früchte und Gemüse angebaut werden können. In der Mitte des Inle-Sees gibt es sogar einen schwimmenden Markt, der sich zu einem Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt entwickelt hat. Im Umfeld des Sees warten zwei weitere Sehenswürdigkeiten. Dabei handelt es sich um das Nga-Phe-Kyaung-Kloster und die Phaung-Daw-U-Pagode.

Quelle: WorldLakes.org, Galileo