Jahrbuch Sucht 2018: Deutsche trinken zu viel

Wie aus dem aktuellen Jahrbuch Sucht 2018 hervorgeht, trinken die Deutschen immer noch zu viel. Gut eine Badewanne voller alkoholischer Getränke sind es pro Kopf und Jahr. Aber auch der Konsum von Tabak und illegalen Drogen bleibt hierzulande zu hoch, wie aus dem Jahrbuch Sucht 2018 hervorgeht, das am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Tabakwaren-Verbrauch angestiegen

Der Verbrauch von Tabakwaren ist im abgelaufenen Jahr leicht gestiegen. Insbesondere der Pfeifentabak konnte sich dabei einer steigenden Beliebtheit erfreuen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Konsum hier auf 3.245 Tonnen an. Das ist ein Plus von 28,7 Prozent.

Bei den Zigaretten gab es ebenfalls ein Plus: 2016 wurden 75,0 Milliarden Zigaretten geraucht, ein Jahr später waren es 75,8 Milliarden – ein Plus von 1,1 Prozent. Zurückgegangen ist allerdings der Verbrauch von Zigarren und Zigarillos.

Dem gegenüber stehen die Kosten, die Jahr für Jahr durch das Rauchen entstehen. Diese liegen in Deutschland bei rund 79 Milliarden Euro pro Jahr. 25 Milliarden Euro entfallen auf direkte Folgekosten, wie die Behandlung von Krankheiten, die durch das Rauchen ausgelöst wurden. Die restlichen 54 Milliarden Euro sind indirekte Kosten, wie etwa Produktivitätsausfälle.

134 Liter alkoholische Getränke pro Kopf

Beim Alkoholkonsum hat sich eine leicht fallende Tendenz gezeigt. Im Vergleich zu 2016 fiel der Alkoholkonsum 2017 um gut ein Prozent. Trotzdem ist das kein Grund für eine Entwarnung, selbst wenn der rückläufige Trend jetzt schon seit ein paar Jahren anhält: Damit hat sich der deutsche Alkoholkonsum lediglich von einem extrem hohen auf ein sehr hohes Niveau abgesenkt.

Der Konsum alkoholischer Getränke lag 2016 im Durchschnitt bei 134 Litern pro Kopf. Das entspricht etwa einer Badewanne voll. 9,5 Liter reiner Alkohol waren darin enthalten, die jeder deutsche Bürger ab 15 Jahren durchschnittlich zu sich nahm. Fünf Liter davon ließen sich auf den Bierkonsum, 2,3 Liter auf den Weinkonsum zurückführen. Weitere 1,8 Liter sind den Spirituosen geschuldet und 0,4 Liter dem Schaumwein.

In einer Mitteilung zur Veröffentlichung des Jahrbuchs Sucht 2018 hieß es, dass die Lebensqualität von Menschen, die zu viel Alkohol trinken, deutlich sinkt und auch die Lebenserwartung reduziert wird. Neben dem Rauchen, dem Bewegungsmangel und der unausgewogenen Ernährung gehört demnach das Rauchen zu den Top 4 gesundheitsschädigenden Verhaltensweisen. Deshalb fordern Experten jetzt eine Erhöhung der Steuern auf Alkohol, Werbeverbote und eine eingeschränktere Verfügbarkeit. Zudem müsse der Jugendschutz effektiver gestaltet werden.

Alleine 2016 mussten gut 22.300 Jugendliche und junge Erwachsene aufgrund einer Überdosis Alkohol im Krankenhaus stationär behandelt werden. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Jahr 2000 mehr als verdoppelt, stieg sogar um 134,5 Prozent an, so die Autoren der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Damals waren es „nur“ 9.500 Kinder und Jugendliche, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Drogenkonsum weiter besorgniserregend

Weiterhin besorgniserregend bleibt allerdings der Drogenkonsum. Die aktuellsten Befragungen zum Thema stammen aus dem Jahr 2015. Demnach wurden 479.000 Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren und 14,4 Millionen Erwachsene bis 64 Jahre befragt, ob sie schon einmal eine illegale Droge ausprobiert hätten. In den letzten zwölf Monaten vor der Befragung haben sieben Prozent der Jugendlichen und sechs Prozent der Erwachsenen Cannabis konsumiert. Damit belegt die Droge weiterhin den Spitzenplatz.

In dem aktuellen Report heißt es, dass die Erfahrung der Menschen mit illegalen Drogen in den letzten 25 Jahren immer wieder einmal zu- und abgenommen hat. Allerdings gibt es über den gesamten Zeitraum gesehen einen steigenden Trend.

2016 hat die Polizei insgesamt 1.333 drogenbedingte Todesfälle verzeichnet. Das sind 8,7 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Damit ist die Zahl bereits zum vierten Mal in Folge angestiegen. Weiter heißt es in dem Bericht, dass der Alkoholkonsum oder die Kombination aus Alkoholkonsum und Rauchen jährlich zu 74.000 Todesfällen führe.

Quelle: dpa