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Hat der Konkurs von Archegos Capital Folgen für Deutschland?

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Schon seit März 2021 ist die Vermögensanlagegesellschaft Archegos Capital Management in den Schlagzeilen. Die aus deren Insolvenz resultierenden Verluste sind immens.

Der Zusammenbruch von Archegos Capital Management zeigt erneut sehr deutlich, welches Risiko von Hedgefonds ausgeht. Um diese Anlageform handelt es sich dort, obwohl sich die in New York City ansässige Anlagegesellschaft nach außen als Family-Office präsentiert hat. Der durch die Insolvenz verursachte Schaden beläuft sich ersten Schätzungen zufolge auf rund 10 Milliarden Dollar, weshalb sich US-Präsident Joe Biden eingeschaltet und die amerikanische Börsenaufsicht SEC mit Ermittlungen beauftragt hat. Dieser Fall beschäftigte auch bereits den Bundestag, denn Abgeordnete der FDP-Fraktion reagierten mit einer Kleinen Anfrage. Inzwischen liegt die Antwort der Bundesregierung vor.

Wie bewertet die Bundesregierung die Insolvenz von Archegos Capital Management?

Die Bundesregierung gibt an, erst Ende März Kenntnis vom Zusammenbruch der Anlagegesellschaft Archegos Capital Management erhalten zu haben. Danach wurde sofort die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (kurz BaFin) mit einer Analyse der möglichen Auswirkungen auf den Finanzmarkt in Deutschland beauftragt. Die ersten Prüfungen ergaben, dass in Deutschland ansässige Unternehmen von den Folgen des Archegos-Zusammenbruchs offenbar nicht betroffen sind. Zumindest gilt das für die Unternehmen, die unter der Aufsicht der BaFin stehen. Zudem wurden die Finanzmarktexperten des European Systemic Riks Boards aktiv. Nach den bisherigen Erkenntnissen geht die Bundesregierung davon aus, dass der Finanzmarkt in Deutschland von den Auswirkungen der Insolvenz von Archegos Capital Management nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Den größten Teil der Verluste haben die Credit Suisse, Morgan Stanley, die Schweizer Bank und die in Japan beheimatete Investmentbank Nomura Holdings zu tragen.

Einschätzungen der Folgen von Finanzmarktexperten

Andreas Raymond Dombret war acht Jahre lang im Vorstand der Deutschen Bundesbank aktiv. Er äußerte sich zum Archegos-Konkurs bereits Anfang April im Fachmagazin „Capital“. Er bezeichnet die Auswirkungen in seinem Statement wörtlich als „Schockwelle“ für die Finanzmärkte. Dombret verweist auf die hohe Risikobereitschaft der bei Archegos aktiven Kreditgeber. Sie ist deshalb als kritisch zu bewerten, weil der Archegos-Gründer und Hauptinvestor Bill Hwang bereits von der Börse Hongkong mit einer mehrjährigen Sperre wegen des unerlaubten Insiderhandels abgestraft wurde. Zudem unterlag Archegos durch die Deklaration als Familienunternehmen nicht den strengen Reglements und Aufsichten, wie sie für Anbieter von Anlagen mit sehr hohem spekulativem Risiko üblich ist. Die Gefahr von Folgen wie nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers, der eine weltweite Finanzkrise auslöste, sieht auch Andreas Dombret nicht. Allerdings fordert er eine intensive Beobachtung der Entwicklungen und empfiehlt, mehr Vorsicht als sonst walten zu lassen. Dabei benennt er auch die zusätzlichen Risiken, die aktuell durch die Folgen der Coronakrise bestehen.

Quelle: Deutscher Bundestag Drucksache 19/30226, Fachmagazin „Capital“