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Greenpeace: Was hemmt den Ausbau der Windenergie in Deutschland?

Windräder & Solaranlage

Der Ausbau der Windenergie an Land hinkt den Vorgaben in Deutschland hinterher. Wenn sich das nicht ändert, sind die klima- und energiepolitischen Ziele in Gefahr.

Die Hemmnisse beim weiteren Ausbau der Windenergie mit Off-Shore-Anlagen sind größtenteils nachvollziehbar. An dieser Stelle fehlen die Transportkapazitäten vom Norden in den Süden der Republik. Aber wie sieht es beim Ausbau der Windenergie an Land aus? Dort spielen überregionale Transportkapazitäten keine Rolle. Welche Gründe sind dafür verantwortlich? Umwelt- und Klimaschützer von Greenpeace sind dieser Frage nachgegangen.

Wie hat sich der Ausbau der Windenergie an Land entwickelt?

Der bisherige Spitzenwert bei der Errichtung und Inbetriebnahme neuer Anlagen wurde in Deutschland im Jahr 2017 erreicht. Damals gingen nach den Angaben der Fachagentur Windenergie an Land 1860 neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 5532 Megawatt ans Netz. Im Jahr 2018 wurde ein Defizit von mehr als 50 Prozent beim Ausbau verzeichnet, denn es kamen nur 762 neue Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 2464 Megawatt hinzu. Noch trauriger ist die Bilanz des Jahres 2019 mit einer zusätzlichen Leistung von 958 Megawatt aus 282 neuen Windkraftsystemen. Im Jahr 2020 erhöhte sich die neu geschaffene Leistung lediglich auf 1.418 Megawatt. Allein schon diese Zahlen belegen, dass daran nicht die Coronakrise schuld sein kann.

Welche Hemmnisse beim Windkraftausbau benennt Greenpeace?

Die Umweltschützer führen einen ganzen Mix aus Ursachen an. Einige Gründe sind durchaus verständlich. Dazu zählen beispielsweise der Vogelschutz und der Schutz der Anwohner vor Belästigungen aller Art, die von den Windkraftanlagen ausgehen (Schlagschatten, Geräusche). Zusätzlich verweist Greenpeace auf eine Analyse, die vom Bundesverband WindEnergie bereits im Jahr 2019 durchgeführt und veröffentlicht wurde. Sie kommt zu dem Schluss, dass ein erheblicher Teil der Neubauprojekte für Windenergieanlagen in Deutschland bereits im Prüfungsverfahren der geplanten Standorte blockiert wird. Konkret handelt es sich um rund 1000 Projekte, die Vorgaben der Deutschen Flugsicherung und der militärischen Flugsicherung zum Opfer fallen. Der Bundesverband Windenergie kritisiert wörtlich „unzeitgemäße Prüfbereiche rund um Drehfunkfeuer“ und fordert eine Anpassung der Regelungen durch das Bundesverkehrsministerium. In Deutschland ist der Prüfradius rund um die Drehfunkfeuer aktuell deutlich größer, als es die internationalen Standards fordern.

Greenpeace macht Lobbyismus als Hindernis beim Ausbau der Windkraft aus

Die Umweltschützer benennen in ihrem Statement vom Februar 2021 ein ausgeprägte Anti-Windkraft-Lobby als weitere Ursache. Danach sollen der Umwelt- und Klimaschutz bei einigen Vereinen und Verbänden nur als Deckmantel für einen Lobbyismus zu Gunsten anderer Arten der Energiegewinnung dienen. In einem Fall weist Greenpeace eine direkte Verbindung zu den Kämpfern für den Erhalt der Braunkohleindustrie nach. Die Umweltschützer verwenden wörtlich die Bezeichnung „Pseudo-Bürgerinitiativen“. Die Windkraftgegner schießen zurück bezeichnen die Darstellung als „Käsekästchen-Studie“ mit erfundenen Verbindungen.

Quelle: Greenpeace, Fachagentur Windkraft, Bundesverband WindEnergie