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Frankreich: Inlandsflüge an TGV-Strecken? Nein, danke!

Airplane landing at sunset

Innerhalb unseres Nachbarlands Frankreich sollen Linienmaschinen nur noch Ziele anfliegen dürfen, die nicht binnen zweieinhalb Stunden mit dem Zug erreichbar sind. Während die einen es als Erfolg für den Umweltschutz feiern, geht die Regelung den eigentlichen Umweltschützern nicht weit genug.

Frankreich ist weltberühmt für sein gut ausgebautes TGV-Netz. Um den Klimaschutz zu verstärken, wollen die Abgeordneten es jetzt noch stärker einsetzen. Deshalb wurde ein Flugverbot für all jene Strecken beschlossen, auf denen man sein Ziel mit dem Zug ebenso erreichen kann – in maximal zweieinhalb Stunden. Somit dürften Flüge von Paris nach Lyon oder Bordeaux künftig nicht mehr möglich sein.

Flugverbot soll CO2-Emissionen senken

Bereits im Mai letzten Jahres hatte Finanzminister Bruno Le Maire derartige Ideen aufs Tableau gebracht. Damals wurde gerade über die Staatshilfen für die AirFrance-KLM entschieden. Jetzt greift man die Pläne mit dem Ziel auf, die CO2-Emissionen dauerhaft zu senken, selbst wenn Flugreisen nach Abflauen der Pandemie wieder zunehmen sollten. Das Verbot ist allerdings nur ein Teil eines umfassenden Klimagesetzes. Mit diesem sollen die französischen CO2-Emissionen bis 2030 um 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 gesenkt werden.

Umweltaktivisten zeigen sich trotz allem nicht zufrieden mit der Entscheidung. Sie werfen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor, das einstige Versprechen mit der Entscheidung verwässert zu haben. Macron hatte ein Bürger-Klimaforum eingerichtet, das bei der Ausgestaltung der Klimapolitik in Frankreich mit helfen soll. Dieses hatte die Abschaffung von Flügen auf Strecken gefordert, die binnen vier Stunden mit dem Zug zurückgelegt werden können. Damit wären deutlich mehr Inlandsflüge verboten worden.

Nachdem die Entscheidung in der Nationalversammlung getroffen wurde, muss der Gesetzentwurf nun an den Senat weiter gehen und dann findet noch eine letzte Abstimmung im Unterhaus statt. Brisant bei der Thematik: Die Abstimmung erfolgte wenige Tage, nachdem die Regierung angekündigt hatte, sich an einer Rekapitalisierung von Air France in Höhe von vier Milliarden Euro zu beteiligen. Erneut greift der Staat der angeschlagenen Fluggesellschaft damit unter die Arme und erhöht den eigenen Unternehmensanteil auf mehr als das Doppelte.

Flugreisebranche dürfte noch lange leiden

Kritik gab es auch von der Luftfahrtindustrie selbst. Sie gab an, eine Pandemie-Erholung sei nicht der richtige Zeitpunkt, um Inlandsflüge zu verbieten. Für die Branche ist es ein Widerspruch, einerseits die Fluggesellschaft zu retten, andererseits aber Flugverbote auszusprechen.

Diese Vorwürfe wies die Industrieministerin Agnes Pannier-Runacher deutlich zurück. Man wisse schließlich, dass die Luftfahrt CO2 produziere und man diese Emissionen wegen des Klimawandels reduzieren müsse. Gleichzeitig müsse man aber die Unternehmen im Land unterstützen.

Doch auch ohne Verbot von Inlandsflügen dürfte die Branche noch lange mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen haben. So haben Analysten von McKinsey bereits vorhergesagt, dass der Flugverkehr das Vorkrisen-Niveau frühestens 2024 erreichen werde. Außerdem versuchen in Frankreich, Spanien und anderen Ländern Bahnunternehmen den Billigfliegern mit Kampfpreisen Konkurrenz zu machen.

Quelle: Reuters