Folgen der EZB-Geldpolitik: Bundesanleihen ohne Zinsen

Die Konsequenzen der EZB-Geldpolitik bekommen Sparer sehr deutlich zu spüren. Inzwischen gibt auch die Bundesfinanzagentur Bundesanleihen ohne Zinsen aus.

Die Bundesanleihen ohne Zinsen sind ein Meilenstein in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Staatsanleihen ohne Zinsen wurden bis zum 21. August 2019 noch nie ausgegeben. Doch angesichts der aktuellen Zinspolitik der Europäischen Zentralbank ist das nicht verwunderlich. Auch die Entwicklung der Handelswerte der Bundesanleihen in den letzten beiden Wochen machten ein solches Szenario sehr wahrscheinlich.

Erstmals Bundesanleihen ohne Zinsen mit einer Laufzeit von 30 Jahren

Anleihen sind derzeit als Möglichkeit der Geldanlage sehr beliebt. Sie bieten eine kleine Verzinsung, die in den meisten Fällen höher als der Guthabenzins für Tagesgeldkonten oder Festgeldkonten liegt. In der Regel sind die Anleihen als Inhaberpapiere ausgelegt und damit handelbar. Im Wertpapierhandel weist der überwiegende Teil der Anleihen bei einem Verkauf negative Renditen auf. Davon sind inzwischen auch sämtliche im Umlauf befindliche Bundesanleihen betroffen. Der Gesamtwert der Anleihen mit Negativ-Renditen wird von den Finanzmarktanalysten aktuell auf rund 14 Billionen Dollar geschätzt. Für die Bundesregierung sind die Null-Zins-Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren eine gute Chance, sich schnell und kostengünstig zugleich flüssige Mittel zu verschaffen. Die derzeitige Lage auf dem Finanzmarkt dürfte dafür sorgen, dass die Null-Zins-Bundesanleihen trotzdem schnell an den Mann und die Frau gebracht werden können.

Warum machen auch Investitionen in die Null-Zins-Bundesanleihen Sinn?

Aktuelle Hochrechnungen zeigen, dass europaweit rund 13 Billionen Euro auf den Girokonten von Privatkunden der Banken lagern. Dort bringen diese Vermögen keine Rendite. Vielfach ist das Gegenteil der Fall, denn in Deutschland haben sich erste Banken dazu entschlossen, hohe Guthaben mit einem Strafzins zu belegen. Tagesgeldkonten und Festgeldkonten sind aus den Portfolios einiger Banken komplett verschwunden. Damit wollen sie die Verluste begrenzen, die sie durch die Minuszinspolitik der EZB erleiden. Die Strafzinsen bedeuten ein Minusgeschäft für die Sparer. Zumindest diese Verluste lassen sich durch die Investitionen in die Bundesanleihen ohne Zinsen vermeiden. Anleihen der Bundesrepublik Deutschland gelten als sicher. Deshalb ist das spekulative Risiko für die Käufer überschaubar, welche die Anleihen bis zum Ende der Laufzeit behalten wollen.

Die Hauptzielgruppen sind deshalb Versicherungen und Pensionsfonds. Dabei kann sich die lange Laufzeit (bei den am 21. August 2019 ausgegebenen Bundesanleihen 30 Jahre) als Verlustgeschäft erweisen. Niemand weiß, wie sich die Zinsen in diesem Zeitraum entwickeln. Für die nächsten Jahre zeichnet sich ein Festhalten der EZB an der derzeitigen Zinspolitik ab. Zumindest Mitte 2020 wird es bei der Nullzins- und Minuszinspolitik der EZB bleiben. Sollten es tatsächlich zu der sich bereits abzeichnenden Rezession der Konjunktur kommen, muss die EZB auch über diesen Zeitpunkt hinaus für Konjunkturanreize sorgen. Wer jetzt die Bundesanleihen ohne Zinsen kauft, muss deshalb die Konjunkturentwicklung und die Anzeichen für eine Änderung der EZB-Geldpolitik genau beobachten, um den optimalen Zeitpunkt für einen Verkauf der Bundesanleihen abzupassen:

Quelle: Bundesfinanzagentur