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Fahrschule: Belastungsprobe Corona

Student watching online video lesson

Wegen der Coronakrise müssen Fahrschüler für ihren Führerschein aktuell tiefer in die Tasche greifen und warten auch noch länger auf ihren Prüfungstermin. Nicht zuletzt deshalb soll zumindest der Theorieunterricht auch künftig online möglich sein. Fahrlehrer warnen allerdings vor den Folgen.

Im ersten Jahr der Pandemie konnten Gebrauchtwagenhändler profitieren, aber auch Fahrschulen. Die Angst vor einer Ansteckung in Bus und Bahn sorgte für einen massiven Zulauf. Die Theorieausbildung konnte auch im Lockdown wenigstens online weiter gehen. Die Fahrstunden dagegen fielen aus. Jetzt macht sich das Problem bemerkbar und es kommt zu einem Rückstau bei den Prüfungen.

TÜV-Verband meldet ungewöhnlich lange Wartezeiten

Am Dienstag meldete der TÜV-Verband „ungewöhnlich lange Wartezeiten“ auf einen Prüfungstermin. Geschäftsführer Joachim Bühler führt das vor allem auf die Einschränkungen während der Pandemie zurück. Kaum war der Lockdown beendet, ist die Nachfrage nach Terminen für die praktische Prüfung quasi in die Höhe geschossen. In dieser Form gab es eine solche Nachfrage laut Bühler noch nie.

Schon vor der Coronakrise wurden Fahrlehrer händeringend gesucht. Jetzt müssen die vorhandenen Fahrlehrer Überstunden ableisten und Prüfer und Prüferinnen werden zunehmend aus dem Ruhestand zurückgeholt, um den Rückstau aufzuarbeiten.

Aktuellen Einschätzungen zufolge könnte es noch bis März 2022 dauern, ehe die Wartelisten abgearbeitet sind. Zu beachten ist dabei jedoch, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen groß sind. Trotzdem müssen Fahrschüler teils Wochen und sogar Monate auf ihren Prüfungstermin warten. Für viele wird die Ausbildung dadurch teurer, denn die meisten Fahrschüler nehmen vor der Prüfung noch einmal Stunden, damit sie nicht aus der Übung kommen, wie Fahrlehrer Peter Hörnle aus Ochsenhausen in Baden-Württemberg erklärt.

Regierung fordert Theorieunterricht dauerhaft online

Auch die Regierung hat die Probleme erkannt und verfolgt nun Pläne, wonach der Theorieunterricht auch nach der Pandemie online fortgeführt werden soll. Damit könnten die Fahrschüler flexibler und in ihrem eigenen Tempo lernen und nicht zuletzt Geld einsparen. Fahrlehrer hätten dagegen mehr Zeit für die praktische Ausbildung. Schon jetzt gibt es erste Start-Ups, die sich mit entsprechenden Angeboten auf den Markt gewagt haben. Während des Lockdowns haben dann auch die klassischen Fahrschulen nachgezogen.

Laut den aktuellen Plänen will das Bundesverkehrsministerium die Vorschriften anpassen, so dass die Fahrschüler die Straßenverkehrsordnung auch dauerhaft online erlernen können. Derzeit beginnt man mit den Abstimmungen mit den Bundesländern. Gegner und Befürworter des virtuellen Lernens organisieren sich ebenfalls bereits. Ein Bündnis traditioneller Fahrlehrerverbände warnt davor, dass elektronische Medien den traditionellen Präsenzunterricht nicht ersetzen könnten. Das Bündnis geht sogar davon aus, dass das „gesamte System der professionellen Fahrausbildung“ durch die Neuerungen infrage gestellt wird. Die Fahrschüler seien damit letzten Endes schlechter auf den Straßenverkehr vorbereitet. Andererseits dürften die traditionellen Fahrschulen auch Sorge haben, dass ihnen Umsatzverluste entstehen, wenn der klassische Präsenzunterricht wegfällt.

Natürlich gibt es auch Befürworter der Digitalisierung: Sie sehen in erster Linie ebenfalls das Geld. So wurde im Juli 2021 der „Verband der innovativen Fahrschulen Deutschlands“ gegründet. Er betreibt die E-Learning-Plattform 123Fahrschule. Dort heißt es, dass etliche Fahrschüler aufgrund der veralteten Strukturen bei vielen Fahrschulen lange Wartezeiten und höhere Kosten auf sich nehmen müssten. Man plädiert hier dafür, dass sich die Branche „endlich an die Lebenswelt ihrer Kunden“ anpasst.

Quelle: dpa